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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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Der Seemann warf einen halb komiſchen, halb ernſten Blick hinauf zum Bilde des Schutzpatrons und ſagte dann:

Die Flügel Deines Löwen hätten wir beſſer gebrauchen können⸗ als die Gunſt deines Heiligen. Ich verſteige mich mit den Bitten um Beiſtand nicht weiter nördlich als zum heiligen Januarius, und wenn ein Orkan los heulte.

Deſto ſchlimmer für Dich, caro, denn der gute Biſchof ver⸗ ſteht ſich wohl darauf, die Lava zu hemmen, aber nicht die Winde zu ſtillen. Aber war's denn rechte Gefahr, die Feluke und ihre brave Mannſchaft an die Türken zu verlieren?

Ja wahrhaftig, es ſchwärmte ein Tuneſer zwiſchen Stromboli und Sicilien, aber Ali di San Michele! leichter hätte er die Wolke über dem Vulkan gehaſcht, als die Feluke im Sirocco!

Du warſt wohl ein Haſe, Stefano?

Ich! Eher war ich wie Dein Löwe da, einige Ketten und Maulkörbe zugerechnet!

Das war wohl aus der Eilfertigkeit der Feluke zu ſehen?

Cospetto! Ich habe mich tauſendmal während der Jagd zum Johanniterritter gewünſcht, und la bella Sorrentina zu einer tüch⸗ tigen Maltheſergaleere, und wärs nur um die chriſtliche Ehre! Der Ungläubige war mir beinah drei Stunden lang ſo nahe, daß ich Dir genau ſagen konnte, welcher von den Schuften ſchmutziges Zeug in ſeinem Turban hatte, und welcher reines. Es war ein jämmer⸗ licher Anblick, Stefano, für einen Chriſtenmenſchen, den Heiden ſo auf ſich losſegeln zu ſehen.

Dir ſind wohl die Sohlen heiß geworden beim Gedanken an die Baſtonade, caro mio?

Ich bin zu oft barfuß über unſre calabriſchen Berge gerannt, als daß mir bei derlei Einbildungen die Sohlen jucken ſollten.

Jedweder Menſch hat ſeinen empfindlichen Fleck. Der Deinige iſt Furcht vor Türkenhänden. Die Berge in Deinem Vaterlande haben ihre weichen Stellen eben ſo gut als ihre harten, aber die