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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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ſich vom Fleck rührte. Eine ſeidene Jacke mit Blumen in glän⸗ zenden Farben durchwirkt, der umgelegte Scharlachkragen, und die mit einem Wappen vorn geſtickte Sammtmütze verriethen einen Gondolier in Privatdienſten.*

Ueberdrüßig der Poſſen einer etwas entfernten Gauklerbande, deren lebendige Pyramiden er eine Weile angeſchaut hatte, wandte er ſich dem leichten Lüftchen zu, welches aus dem Waſſer aufſtieg, als plötzlich die Freude des Wiedererkennens durch ſeine Züge leuchtete, und in einem Augenblick waren ſeine Arme verſchlungen mit denen eines ſchwarzbraunen Seemannes, der die loſe Kleidung und die phrygiſche Mütze ſeines Standes trug. Der Gondolier begann die Unterhaltung in der wohlklingenden Ausſprache ſeiner Geburtsſtadt.

Du biſt's, Stefano! ſagten ſie doch, Du wärſt den verdammten Barbaren in die Klauen gerathen, und pflanzteſt Blumen für einen Ungläubigen mit Deinen Händen und begöſſeſt ſie mit Deinen Thränen.

In der härteren Mundart Calabriens und mit der derben Ver⸗ traulichkeit eines Seemannes ward erwiedert:

La bella Sorrentina iſt keine Köchin eines Prieſters! Keine

Dirne, die mit einem tuneſiſchen Kaper, der ſie umſchwaͤrmt, Sieſta

hielte. Wärſt Du je über den Lido hinausgekommen, ſo wüßteſt Du, daß es was anders iſt, Jagdmachen auf die Feluke, und was anders: ſie fangen.

Auf's Kniee, und danke San Teodoro für die Rettung. Es

ward wohl viel gebetet auf Deinem Verdeck, caro Stefano, obgleich

in dem ganzen Gebirg von Calabrien kein Menſch kühner iſt, wenn Deine Feluke nämlich erſt ſicher auf den Strand es gezogen iſt.

* Auch die öffentlichen Gondolieri hatten früher ihre eigene Tracht, wie alle dienſtthuenden Klaſſen in Europa. Jetzt tragen nur noch die Gondolieri in Privatdienſten eine Art von Livree. 3

* DießStranden der kleineren Schiffe findet man längs der ganzen Küſtenausdehnung des Mittelmeeres, die zwar faſt durchgehends felſig iſt, aber doch ſandiges Vorland genug beſitzt, um dieſen dem Auge wohlthuenden Brauch zu geſtatten.