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migkeit der Gründer, überragte dies merkwürdige Gebäu die übrigen Monumente des Platzes, als ein Denkmal von der alten Herrlichkeit und Größe der Republik. Seine ſaraceniſche Architektur, die Reihen ſchmuckreicher aber nutzloſer Säulchen, die niedrigen aſtatiſchen Kup⸗ peln, ſeit einem Jahrtauſende auf dem Gemäuer ruhend, der rohe Prunk der Moſaikarbeit, und vor allem die erbeuteten Pferde von Korinth, die aus der düſtern Maſſe im Glanze griechiſcher Kunſt hervortreten, Alles erhielt in der ernſten eigenthümlichen Beleuchtung einen ſo melancholiſchen, ſo geheimnißvollen Anſtrich, wie er wohl zu den zahlreichen Erinnerungen paßt, welche dieſer mächtige Ueberreſt der Vergangenheit in der Seele des Beſchauers hervorruft.
Neben dieſem Bau that ſich manch' andre eigenthümliche Zier des Platzes hervor. Der Fuß der Campanile lag tief im Schatten, während die Oſtſeite des grauen Gipfels wohl hundert Fuß abwärts vom vollen Mondlichte beglänzt war. Daneben dämmerten in dunkeln geſpenſtigen Linien die Maſte, welche erbeutete Fahnen von Candia, Conſtantinopel und Morea zu tragen beſtimmt waren⸗ Aber am andern Ende des kleinern Platzes, nahe der Seeküſte, erhoben ſich auf ihren Säulen von afrikaniſchem Granit hier der geflüͤgelte Löwe, dort der Schutzheilige der Stadt, gegen den azurnen Hintergrund ſich deutlich abſetzend.
Am Fuße der erſtern von dieſen Steinmaſſen ſtand ein Mann, der in die belebte und auffallende Scene vor ſeinen Augen, wie es ſchien, mit der achtloſen Gleichgültigkeit der Gewohnheit ſchaute. Die Menge, zum Theil maskirt, zum Theil nicht vermeidend, daß man ſie kenne, war den Damm entlang in die Piazetta geſtrömt, um den Hauptplatz zu erreichen, während jener Mann, wie vor Ermüdung, kaum einen Blick ſeitwärts warf, kaum ein Glied rührte. Er ſtand wie Jemand, der gewohnt iſt, mit Geduld und Gehorſam dem Vergnügen Anderer zu dienen. Seine verſchränkten Arme, ſein auf einem Beine ruhender Körper und ſein müßiger gutmü⸗ thiger Blick ſchienen auf den Wink eines Herrn zu warten, ehe er


