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„Wir werden nicht lange getrennt bleiben, Judith,“ ſagte ſie; „wenn Du ſtirbſt, mußt Du auch im See neben der Mutter begraben werden.“
„Wollte Gott, Hetty, daß ich ſchon jetzt dort läge!“
„Nein, das kann nicht ſeyn, Judith; die Leute müſſen ſterben, ehe ſie das Recht haben, begraben zu werden. Es wäre eine Sünde, Dich zu begraben, oder gar wenn Du Dich ſelbſt begraben wollteſt, ſo lange Du noch lebſt. Einmal dachte ich daran, mich ſelbſt zu begraben; Gott bewahrte mich vor dieſer Sünde.“
„Du!— Du, Hetty Hutter, an eine ſolche That denken!“ rief Judith, in nicht zu bemeiſterndem Erſtaunen aufſchauend, denn ſte wußte wohl, daß kein Wort, das nicht gewiſſenhaft wahr geweſen wäre, über den Mund ihrer ſtreng redlichen Schweſter kam.
„Ja, ich, Judith, aber Gott hat es vergeſſen— nein, er vergißt Nichts, aber er hat es vergeben,“ erwiederte das ſterbende Mädchen, mit dem zerknirſchten Weſen eines reuigen Kindes.„Es war nach der Mutter Tod; ich fühlte, daß ich die beſte Freundin auf der Erde verloren hatte, wo nicht die einzige Freundin. Es iſt wahr, Du und Vater, Ihr wart freundlich gegen mich, Judith, aber ich war ſo ſchwachſinnig; ich wußte, ich würde Euch nur Unluſt machen; und dann ſchämtet Ihr Euch ſo oft einer ſolchen Schweſter und Tochter; und es iſt hart, in einer Welt zu leben, wo Alle Einen anſehen als unter ihnen ſtehend. Ich dachte damals, wenn ich mich an der Mutter Seite begraben könnte, würde ich glücklicher ſeyn im See als in der Hütte.“
„Vergieb mir— verzeih mir, liebſte Hetty, auf meinen Knien liegend bitte ich Dich, mir zu verzeihen, ſüße Schweſter, wenn irgend ein Wort oder eine Handlung von mir Dich zu einem ſo wahnſinnigen und grauſamen Gedanken trieb!“
„Steh auf, Judith, kniee vor Gott— kniee nicht vor mir. Gerade ſo war mir zu Muth, als Mutter ſtarb. Es fiel mir Alles ein, womit ich ſte in Worten und Werken betrübt hatte,


