Wildtödter gehorchte ruhig, und ſeine Zuhoͤrer horchten be⸗ gierig auf die Dollmetſchung der erſten Worte aus dem Mund einer ſo außerordentlichen Erſcheinung. Das Verlangen ſchien vollkommen im Charakter einer Perſon, die ſelbſt allem Anſchein nach einem hohen Stand angehörte. Rivenoak ertheilte eine geeig⸗ nete Antwort, indem er ſich ſeinem ſchönen Beſuch in einer Art vorſtellte, die keinen Zweifel übrig ließ, daß er zu all der Achtung berechtigt ſey, die er in Anſpruch nahm.
„Ich kann das glauben, Hurone,“ begann Judith wieder, und ſpielte ihre angenommene Rolle mit einer Feſtigkeit und Würde, die ihrem Nachahmungstalent Ehre machte, denn ſte war bemüht, ihrem Benehmen die herablaſſende Artigkeit zu verleihen, die ſie einmal bei der Gattin eines Generals bei einer ähnlichen, obwohl friedlicheren Scene beobachtet hatte;„ich kann glauben, das Ihr die wichtigſte Perſon dieſer Truppe ſeyd; ich ſehe in Eurem Ange⸗ ſicht die Züge des Nachdenkens und der Beſonnenheit. An Euch alſo muß ich meine Mittheilung richten.
„Möge die Blume der Wälder ſprechen,“ erwiederte der alte Häuptling höflich, ſobald ihre Anrede ſo gedollmetſcht war, daß Alle ſie verſtehen mochten.„Wenn ihre Worte ſo lieblich ſind wie ihr Ausſehen, werden ſie nie meine Ohren verlaſſen; ich werde ſie noch hören, lange nachdem der Winter von Canada alle Blumen des Sommers getödtet und alle ſeine Reden erſtarren gemacht hat.“
Dieſe Bewunderung ſchmeichelte Judith bei der ihr eignen Gemüthsart, und ſie trug ebenſoviel bei, ihr ihre Selbſtbeherrſchung zu erleichtern, als ſie ihre Eitelkeit befriedigte. Sie lächelte unwill⸗ kürlich, oder trotz ihrem Vorſatz, zurückhaltend zu erſcheinen, und fuhr nun weiter in ihrem Gewerbe fort. 6
„Nun, Hurone,“ ſprach ſie,„hört meine Worte. Eure Augen ſagen Euch, daß ich kein gewöhnliches Weib bin. Ich will nicht ſagen, daß ich die Königin dieſes Landes ſey; die iſt weit weg von hier, in einem fernen Lande; aber unter unſern großmächtigen


