Druckschrift 
Der Wildtödter : eine Erzählung / von James Fenimore Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

h

13

„Es iſt Junius, und kein Wölkchen zwiſchen uns und der Sonne, Hurry, und ſomit braucht es all dieſe Hitze nicht,“ ver⸗ ſetzte der Andere, im mindeſten nicht aus der Faſſung gebracht; „und Jeder darf ſeinen Geſchmack haben, und ein Eichhörnchen hat das Recht, ſich ſein Urtheil über einen Panther zu bilden.“

„Ja, aber es möchte nicht immer klug ſeyn, es den Panther wiſſen zu laſſen,“ brummte March.„Aber Ihr ſeyd jung und ge⸗ dankenlos, und ich will Eure Unwiſſenheit überſehen. Kommt, Wildtödter,“ fuhr er mit gutmüthigem Lachen fort, nachdem er eine Weile nachdenklich geſchwiegen, kommt, Wildtödter, wir ſind geſchworene Freunde, und wollen nicht hadern um ein leicht⸗ ſinniges, gefallſüchtiges Weibsbild, weil es zufällig ſchön iſt,— zumal da Ihr ſie noch gar nie geſehen. Judith iſt nur für einen Mann, der vollkommen abgezahnt hat, und es iſt thöricht, einen Knaben zu fürchten. Was haben denn die Delawaren von der Hexe geſagt? denn ein Indianer hat am Ende doch auch ſeine Be⸗ griffe vom Weibsvolk, ſo gut als ein weißer Mann.“

„Sie ſagten, ſie ſey ſchön anzuſehen, und gefällig im Ge⸗ ſpräch; aber zu ſehr Bewunderern ſich hingebend und leichtſinnig.“

„Das find eingefleiſchte Teufel! Welcher Schulmeiſter und Gelehrte iſt am Ende einem Indianer gewachſen, was den Blick in die Natur betrifft? Manche Leute meinen, ſie ſeyen nur gut auf der Fährte des Wildes oder auf dem Kriegspfad, aber ich ſage: es ſind Philoſophen, und ſie verſtehen ſich auf einen Mann ſo gut wie auf einen Biber, und auf ein Weib ſo gut wie auf beide. Nun, das iſt wirklich Judith's Charakter auf ein Tüpfel⸗ chen! Euch die Wahrheit zu geſtehen, Wildtödter, ich hätte das Mädchen ſchon vor zwei Jahren geheirathet, wären nicht zwei ganz beſondere Umſtände,— und der eine iſt eben ihr Leichtſinn.“

„Und was mag der andere ſeyn?“ fragte der Jäger, der fort aß, wie Einer, der ſich eben nicht ſehr für den Gegenſtand in⸗ tereſſirte.