Weſen in Spanien gibt, welches zu jeder Zeit im Geiſte vorbereitet iſt, die heiligen Sacramente zu empfangen, dieſes Weſen Cure könig⸗ liche Hoheit iſt— und gibt es ein zweites, ſo iſt es meine Mündel.“
„Geh— geh— gute Beatriz. Schmeichelei läßt Dir ſchlecht. Niemand iſt immer vorbereitet, und wir Alle bedürfen ohne Unterlaß der Wachſamkeit. Heiße Mercedes mir in mein Cloſet folgen; ich will über die Sache mit ihr ſprechen. Wenigſtens ſoll keine un⸗ weibliche und unziemliche Ueberraſchung ſtattfinden.“
Mit dieſen Worten entfernte ſich die Königin. Sie hatte kaum ihr Gemach erreicht, als unſere Heldin mit unſicheren und ſchüchternen Tritten eintrat. Sobald ihre Augen denen der Königin begegneten, brach Mercedes in Thränen aus, fiel auf ihre Kniee nieder und verbarg ihr Antlitz wieder in Iſabella's Gewande. Dieſe Gefühls⸗ aufwallung war jedoch bald niedergekämpft und nun erhob ſich das Mädchen, der Befehle ihrer Gebieterin harrend.
„Tochter,“ begann die Königin, ich hoffe, es herrſcht kein Mißverſtändniß mehr zwiſchen Dir und dem Conde de Llera. Du kennſt meine und Deiner Vormünderin Anſichten und kannſt Dich in dieſer Angelegenheit Unſerer Beſonnenheit und größeren Erfahrung ſicher unterwerfen. Don Luis liebt Dich und hat die Prinzeſſin nie geliebt, obgleich es Uns nicht Wunder nehmen dürfte, wenn ein ſo ſehr in Verſuchung geführter lebhafter junger Mann ein flüchtiges Gefühl gegen ein ſo ſchönes und ungekünſteltes Weſen verrathen hätte.“
„Luis hat mir alles bekannt, Sennora; untreu iſt er nie ge⸗ weſen, obgleich er ſeine Schwächen gehabt magen mag.“.
„Es iſt ſogar für Deine Altersſtufe eine harte Lehre, mein Kind,“ ſagte die Königin ernſt;„aber ſie wäre noch härter geweſen, wenn Du ſie in einer Zeit hätteſt lernen müſſen, wo die Regungen des Mädchens der Zärtlichkeit der Gattin gewichen ſind. Du haſt die Anſichten der Aerzte vernommen; die Prinzeſſin hat wenig
Hoffnung, noch lange zu leben.“ „Ach, Sennora, es iſt ein grauſames Schickſal, unter Fremden,


