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„Mercedes, theures Mädchen, höre mich. Es kann Dir nicht unbekannt ſeyn, daß ich trotz meines Leichtſinns wenigſtens kein Laffe bin. Nie hat mein Benehmen etwas ausgedrückt, was das Herz nicht beſtätigen konnte, und nie fühlte ich mich zu einer Andern hingezogen, als zu Dir. Hierin liegt der große Unterſchied, den ich zwiſchen Dir und allen andern Deines Geſchlechtes mache. Ozema iſt nicht die einzige Geſtalt und ihre Reize ſind nicht die einzigen, welche meinen Augen einen flüchtigen und nichtsſagenden Blick der Bewunderung abgelockt haben; aber Du, meine Theure, biſt als ein Heiligthum hier eingeſchloſſen und zu einem Theile von mir ſelbſt geworden. Wüßteſt Du, wie oft Dein Bild mich ſogar ſtrenger als mein Gewiſſen mahnte und bei wie vielen Anläͤſſen die Erinnerung an Deine Tugenden und an Deine Liebe den Sieg da⸗ von trug, wenn ich die Pflichten der Religion und die Lehren meiner Erzieher vergeſſen wollte, ſo würdeſt Du den Unterſchied zwiſchen der Liebe, die ich gegen Dich hege, und den vorüber⸗ gehenden, unſteten Neigungen begreifen, die Du mir zu verſchie⸗ denenmalen ſchon höhnend nachgeſprochen haſt.“
„Luis, ich ſollte dieſen verlockenden Worten kein Gehör geben, denn ſie entſpringen wohl aus einer Herzensgüte, die mir den augenblicklichen Schmerz erſparen möchte, um am Ende mein Elend noch tiefer zu machen. Wenn Du nie andere Gefühle hegteſt, warum haſt Du das Kreuz, das ich Dir als Abſchiedsgabe reichte, einer Andern gegeben?“
„Mercedes, Du haſt keinen Begriff von dem ſchrecklichen Augenblick, in welchem ich mich von dieſem Kreuze trennte. Wir ſahen den Tod vor Augen und ich gab es ihr als ein heiliges Sinnbild, damit es einer Heidenſeele in ihrer letzten Noth hülfreich werde. Es war von keinem Geſchenke die Rede, denn ich habe ihr das Kreuz nur geliehen; und daß es als ein Pfand der Ehe be⸗ trachtet wurde, iſt ein unglücklicher Irrthum, den ich nicht voraus ſehen konnte, wie Dir Deine eigene Kenntniß von den unter


