auf und ſchritt einige Minuten im Gemache auf und ab, als wünſche er den Sturm ſeines Innern durch eine phyſiſche Anſtrengung niederzukämpfen. Als er die gehörige Faſſung gewonnen hatte, kehrte er zu ſeinem Sitze zurück, ergriff Mercedes' nicht wider⸗ ſtrevende Hand und entgegnete Folgendes auf ihren außerordent⸗ lichen Vorſchlag:
„Das Wachen an dem Krankenlager Deiner Freundin und das allzuviele Brüten über dieſen Gegenſtand hat Deine Urtheilskraft geſchwächt, meine Theure. Ozema wohnt nicht in der Weiſe, wie Du glaubſt, in meinem Herzen— hatte nie— eine vorüberge⸗ hende und unſtete Neigung ausgenommen—“
„Ach, Luis, dieſe vorübergehenden und unſteten Neigungen! — Nie hat eine ſolche“— ſie drückte beide Hände an ihr Herz —„hier Platz gefunden!“
„Deine Erziehung, Mercedes, Deine Sitten und Dein ganzes Weſen können unmoͤglich dieſelben ſeyn, wie die meinigen, da ihnen bei mir ein rauher Stoff zu Grunde liegt; denn wäre es ſo, ſo könnte ich Dich nicht verehren, wie ich Dich verehre. Sogar wenn Du nicht lebteſt, könnte mich eine Verbindung mit Ozema nicht glücklich machen— da Du aber lebſt und der heißerſehnte Gegen⸗ ſtand meiner Liebe biſt, ſo würde dieſe Vermählung ein Unglück auf mich häufen, dem ſelbſt meine kräftige Natur nicht gewachſen wäre. Ich kann nie— in keinem Falle der Gatte der Indianerin ſeyn.“
Obgleich ein Strahl von Wonne einen Augenblick Mercedes⸗ Antlitz beleuchtete, ſo unterdrückten ihre edeln Grundſätze und reinen Abſichten ſchnell wieder jenen vorübergehenden und unfreiwilligen Triumph, indem ſie ſogar mit dem Ausdrucke des Tadels erwiederte:
„Iſt dieß gerecht gegen Ozema? Haben nicht jene vorüber⸗ gehenden und unſteten Neigungen ihren einfachen Sinn getäuſcht? und verlangt nicht die Ehre, daß Deine Handlungen den Hoffnun⸗ gen entſprechen, zu welchen Du wenigſtens durch Dein Benehmen Anlaß gabſt?“


