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Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika / von J. F. Cooper. Aus dem Engl. von C. Kolb
Entstehung
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Chriſten geltenden Gebräuchen ſagen wird; wäre es anders, ſo könnte ich jetzt auf Dich als Gattin Anſpruch machen, da Du die Erſte warſt, welche es mir gab.“

„Ach, Luis, als ich Dir dieſes Kreuz gab, wünſchte ich, Du möchteſt es als ein Unterpfand meiner ewigen Treue gegen Dich betrachten.“

„Und was wollteſt Du mir damit ſagen, als Du es mir vor etwa einer Woche wieder zurückſandteſt?“

„Ich ſandte es Dir, Luis, in einem Augenblicke wiederauf⸗ lebender Hoffnung und auf Befehl der Königin. Ihre Hoheit iſt jetzt deine warme Freundin und möchte uns gerne verbunden ſehen, wenn nicht die traurige Lage Ozema's wäre, der man Alles aus⸗ einander geſetzt hat— Alles, mit Ausnahme der wahren Beſchaffen⸗ heit Deiner Gefühle gegen uns Beide, wie ich fürchte.“

„Grauſames Mädchen!— Soll ich denn nimmer Glauben finden?— Werde ich nie wieder glücklich ſeyn? Ich ſchwöre Dir, theuerſte Mercedes, daß Du allein in meinem Herzen herrſcheſt— daß ich mit Dir in einer Hütte zufrieden leben könnte und daß ich ohne Dich ſelbſt auf einem Throne höchſt elend wäre. Du wirſt dies vielleicht glauben, wenn Du mich auf der Erde umher⸗ irren ſiehſt, unglücklich, ohne Hoffnungen, ohne Zweck und vielleicht auch rüͤckſichtslos für meinen Ruf; denn Du nur kannſt mich zu dem machen und in dem erhalten, was ich als Mann ſeyn ſollte. Bedenke, Mercedes, welchen Einfluß Du auf mein Temperament und meine Leidenſchaften üben könnteſt— üben müßteſt— und üben würdeſt. Ich habe Dich lange als meinen Schutzengel be⸗ trachtet, der mich ganz nach ſeinem Willen formen und mich leiten könnte, waͤhrend alles Andere fehlſchlagen würde. Bin ich bei Dir nicht immer ſanft und lenkſam— die Ungeduld ausgenommen, die Deine Zweifel erzeugen? Hat Donna Beatriz je den zehnten Theil Deiner Macht über mich geübt, und iſt es Dir je mißglückt, mich ſelbſt in meinen wildeſten und ungeſtümſten Launen zu bändigen?“