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Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika / von J. F. Cooper. Aus dem Engl. von C. Kolb
Entstehung
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Dreißigſtes Kapitel.

Als tiefer ſtets von Todesnacht

Umflort ich ſank, kein Arm zu helfen

Sich zeigte, ſah in lichter Pracht

Gleich einem zarten luſt'gen Elfen

Dein Bild ich ob den Wogen ſchweben

Und deine Bruſt in Mitleid hold erbeben, Drum lieb' ich dich, du ſüßes, theures Leben.

Coleridge.

Als Iſabella mit Ozema und Mercedes(denn letztere ſollte dem Wanſche der Königin zu Folge gegenwärtig ſeyn) allein war, ließ ſte ſich auf die fragliche Vermählung mit der Zartheit einer empfindſamen und edeln Seele, aber auch mit einer Offenheit ein, welche jede weitere Mißdeutung unmöglich machte. Das Ergebniß zeigte, wie natürlich die indianiſche Schönheit in jene grauſame Selbſttäuſchung verfallen war. Glühend, vertrauensvoll und gewöhnt, unter ihrem Volke als ein Gegenſtand der allgemeinen Bewunderug betrachtet zu werden, hatte ſich Ozema dem Wahne hingegeben, ihre Gefühle fänden bei dem jungen Manne volle Erwiederung. Von dem erſten Augenblicke ihres Zuſammentreffens an hatte ſte mit dem inſtinktartigen Scharfblick des Weibes bemerkt, daß ſie bewundert werde, und da ſie dem Erguſſe ihrer eigenen Empfindungen Raum gab, ſo war es faſt nothwendige Folge ihres Verkehrs mit Luis, daß ſie dieſelben erwiedert glaubte. Selbſt der Umſtand, daß man für den Austauſch der Gedanken in Ermanglung der Worte, Blicke und Ge⸗ berden zu Hülfe nehmen mußte, trug dazu bei, den Irrthum zu vermehren, und man wird ſich erinnern, daß Luis' Treue, wenn ſie auch nicht wirklich wankte, doch ſchwer auf die Probe geſtellt wurde. Die Bedeutung, die ſie irrigerweiſe mit dem Worte Mercedes ver⸗ band, half eine Täuſchung unterſtützen, welcher die männliche Zärt⸗ lichkeit und Sorgfalt, womit unſer Held die Indianerin bei allen Gelegenheiten behandelte, das Siegel aufdrückte. Sogar der ſtrenge