Drittes Kapitel.
Aengſtliche Gewohnheiten ſchmiegen ſich vor großen Königen. Liebes Kätchen, du und ich, wir beide können uns nicht durch die ſchwachen Schranken der Landes⸗Sitte einengen laſſen. Wir ſind die Schöpfer der Bräuche, und die Freiheit, die mit unſerem Range verbunden iſt, ſtopft allen Splitter⸗ richtern den Mund. 3
Heinrich V.
Ungeachtet der hohen Entſchloſſenheit, der gewohnten Feſtigkeit und einer Heiterkeit des Geiſtes, welche wie ein tiefer, ruhiger Strom der Begeiſterung Iſabellens ganzes inneres Leben zu durch⸗ dringen ſchien, obgleich man ſie vielleicht mit mehr Recht von den edeln, unabänderlichen Grundſätzen, welche alle ihre Handlungen regelten, abgeleitet hätte— ſchlug ihr Herz ungeſtüm, und die ihr angeborene Zurückhaltung, welche faſt bis zur Schüchternheit ging, beunruhigte ſie ernſtlich, als die Stunde herannahte, wo ſie zum erſtenmal den Fürſten, welchen ſie zum Gatten gewählt hatte, er⸗ blicken ſollte. Die caſtilianiſche Etiquette nicht weniger, als die Wichtigkeit der mit der beabſichtigten Vermählung verbundenen Intereſſen hatten die einleitenden Verhandlungen um mehrere Tage hinausgeſchoben und man überließ es dem Bräutigam, dieſe ganze Zeit über, ſeine Ungeduld, die Prinzeſſin zu ſehen, ſo gut er konnte, zu zügeln.
Endlich am Abende des 15. Oktobers 1496 war jedes weitere Hinderniß beſeitigt. Don Ferdinand warf ſich in den Sattel, und trat ohne irgend ein ſeinem hohen Range angemeſſenes Gefolge, nur von vier Rittern, unter denen ſich auch Andres de Cabrera befand, begleitet, ſeinen Weg nach dem Palaſt des Juan de Vivero in Valladolid an. Der Erzbiſchof gehörte zu der Partei der Prin⸗ zeſſin, und dieſer Prälat, ein kriegeriſcher, thatkräftiger Parteimann, war bereit, den beglückten Freier zu empfangen und ſeiner hohen Gebieterin vorzuſtellen.


