Ihr Blick fiel zuerſt auf ihre an einen Baum gelehnten Gewehre;
aber beide ſtanden ſtill, ohne den Arm auszuſtrecken, als ihnen die
Geſtalt des Mädchens vor die Augen trat. Der Indianer murmelte ſeinem Gefährten einige Worte zu und nahm dann, ſo ruhig als ob gar keine Unterbrechung vorgefallen wäre, den Sitz beim Mahle wieder ein. Der weiße Mann dagegen verließ das Feuer und ging Mabel entgegen.
Letztere ſah, als der Fremde ſich näherte, daß ſie ſich hier wirklich an einen Mann von ihrer Farbe zu wenden hatte, obgleich ſein Anzug aus einer ſo ſonderbaren Miſchung der Trachten beider Racen beſtand, daß es wohl eines näheren Blickes bedurſte, um ſich Gewißheit zu verſchaffen. Er war von mittlerem Alter, und ſein zwar nicht ſchönes Geſicht trug den Ausdruck einer biedern Offen⸗ heit, fern von jedem Zuge der Argliſt, ſo daß ſich Mabel ſchnell überzeugen konnte, es drohe ihr hier keine Gefahr. Demungeachtet blieb ſie ſtehen, indem ſie vielleicht der Macht der Gewohnheit, vielleicht auch einem inneren Gefühle gehorchte, welches ſie verhin⸗ derte, unter Verhältniſſen, wie die ihrigen waren, ſo ohne alle Umſtände auf eine Perſon des andern Geſchlechtes zuzugehen.
„Fürchten Sie nichts, junge Frau,“ ſagte der Jäger; denn als ſolchen mochte ihn ſein Anzug bezeichnen;„Sie ſind in der Wildniß mit Chriſten und Männern zuſammengetroffen, die Alle, welche zum Frieden und zur Gerechtigkeit geneigt ſind, auf eine liebevolle Weiſe zu behandeln wiſſen. Ich bin ein Mann, der wohl⸗ bekannt in dieſen Gegenden iſt, und vielleicht hat einer meiner Namen Ihr Ohr erreicht. Bei den Franzoſen und den Rothhäuten auf der andern Seite des großen See's heiße ich La longue Ca- rabine, bei den Mohikanern, deren Stamm, ſo viel von ihm noch übrig iſt, ein gutgeſinnter und aufrichtiger iſt, bin ich Hawk⸗eye, indeß die Truppen und Jäger auf dieſer Seite des Waſſers mich Pfadfinder nennen, weil es bekannt iſt, daß ich nie das eine Ende einer Fährte, mochte es die eines Mingos oder die eines meiner


