— 318—
Tamenund in geringer Entfernung auf einem erhöhten Platze ſaß, von wo aus er auf ſein Volk herabblicken konnte, das in Schmerz und Trauer verſunken war. Gerade an dem innern Rande des Kreiſes ſtand ein Soldat, welcher die Uniform eines fremden Volkes trug, und außerhalb deſſelben befand ſich ſein Schlachtroß, um⸗ geben von einer zahlreichen berittnen Dienerſchaft, die zu einer weiten Reiſe gerüſtet ſchien. An der Uniform des Fremdlings erkannte man einen Offizier von hohem Range in Dienſten des Statthalters von Kanada. Er ſchien als Friedensbotſchafter gekommen zu ſeyn; allein der wilde Ungeſtüm ſeiner Bundesgenoſſen hatte ſeine Sendung vergeblich gemacht, und düſter und ſchweigend betrachtete er nun die unglücklichen Folgen eines Kam⸗ pfes, zu deſſen Verhütung er zu ſpät gekommen war. Die Sonne hatte bereits den vierten Theil ihrer Bahn durchlaufen, und noch immer herrſchte unter der verſammelten Menge das ununterbrochene Schweigen, das ſie ſchon ſeit Tagesanbruch beobachtet hatte. Man hörte keinen Ton, als hie und da einen halb unterdrück⸗ ten Seufzer, und kein Glied hatte ſich wahrend dieſer langen, ſchmerzlichen Zeit bewegt, mit Ausnahme der rührenden Opfer, welche die jungen Madchen von Zeit zu Zeit dem Andenken der entſchlafenen Jungfrau dar⸗ gebracht hatten. Einen ſolchen Anſchein gänzlicher Ge⸗ fühlloſigkeit konnte nur die Geduld und Selbſtbeherr⸗ ſchung, die den Indianern eigenthümlich iſt, hervorbrin⸗ gen. Die düſtern, regungsloſen Geſtalten ſchienen in lebloſe Bildſäulen verwandelt worden zu ſeyn. Endlich ſtreckte Tamenund den Arm aus, und in⸗


