3 216
—
ſie auch an Alter, Rang und Geſchlecht waren. Jedes Auge heftete ſich auf die Mitte dieſes großen Kreiſes, in welcher ſich die Gegenſtände befanden, welche auf eine ſo allgemeine Theilnahme Anſpruch machten.
Sechs Delawarer Mädchen, deren langes, ſchwarzes Haar in reichen Locken über ihren Buſen nachläſſig her⸗ abfloß, ſtanden, von den Ubrigen abgeſondert, faſt be⸗ wegungslos da. Sie gaben kein anderes Zeichen des Lebens von ſich, als daß ſie von Zeit zu Zeit duftende Kräuter und Waldblumen auf eine Tragbahre ſtreuten, die aus wohlriechenden Zweigen geflochten und mit einem Leichentuch von indianiſchem Zeuge bedeckt war. Auf dieſer Bahr lagen die Üüberreſte der muthigen, hochherzi⸗ gen und edelmüthigen Cora. Mehrere Decken von dem⸗ ſelben einfachen Stoffe verhüllten ihren Körper, und ent⸗ zogen ihr Antlitz für immer dem Auge der Menſchen. Der troſtloſe Munro ſaß zu ihren Füßen; ſein ehrwür⸗ diges Haupt beugte ſich faſt zur Erde, aber auf ſeiner Stirn, die nur theilweiſe von den grauen Locken bedeckt ward, welche über ſeine Schläfe herabfielen, konnte man deutlich den Ausdruck des tiefſten Schmerzes leſen. Ne⸗ ben ihm ſtand David mit entblöſ'tem Haupte, welches von den Strahlen der Sonne beſchienen ward, und heftete ſein bekummertes Auge bald auf das kleine Buch, das ſo viele ſchwülſtige, doch heilige Glaubenslehren enthielt, bald auf Munro, dem er Troſt und Beruhigung einzu⸗ flͤßen wünſchte. Nicht weit davon hatte ſich Heyward an einen Baum gelehnt und ſuchte vergeblich die Aus⸗ brüche eines Schmerzes zu bekämpfen, unter dem ſeine männliche Standhaftigkeit faſt erlag.


