— 326—
„Signori, der Blick auf einen Stein ſogar iſt etwas Wehmüthiges, wenn man weiß, daß man ihn nie wie⸗ der ſieht. Ich habe den Col oft erklettert, aber ich werde es nicht mehr wagen. Denn obgleich der ehrenwerthe und würdige Gerichtsherr und der edle Landvogt gewillt ſind, einem Dogen von Genua in ſeiner Gegenwart ihre Ehrfurcht zu bezeigen, ſo möchten ſie weniger zarte Rück⸗ ſichten für ſeine Würden haben, wenn er abweſend iſt. Addio, caro San Bernardo! Wie ich, biſt du einſam und wetterzerſchlagen, und, gleich mir, haſt du, obgleich rauh anzuſchauen, deinen Nutzen. Wir ſind beide Wahr⸗ zeichen— du ſagſt dem Reiſenden, wo er Sicherheit zu ſuchen hat, ich warne ihn, wo Gefahren ihn bedrohen.“
Es gibt in männlichem Dulden eine Würde, die unſer Mitgefühl anſpricht. Alle, welche dieſe Anrede an die Wohnung der Auguſtiner hörten, waren von ihrer Einfachheit und Bedeutſamkeit überraſcht. Sie folgten dem Sprechenden jedoch ſtumm bis zur Stelle, wo der Weg ſich zum erſten Male plötzlich ſenkt. Die Stelle war der Abſicht des Maledetto günſtig. Obgleich noch auf gleicher Höhe mit dem See, war das Kloſter, der Col und alles, was er enthielt, mit Ausnahme eines kurzen Streifens ſeines ſteinigten Pfades durch die da⸗ zwiſchen liegende Felswand ihren Blicken entzogen. Die Schlucht klaffte drunten, rauh und duſter, und durch das ewige Walten der Wetter in mannigfache Formen aus⸗ geprägt. Alles, droben, drunten und rings um ſie her war nackt und chaotiſch, wie die Elemente des Erdballs, ehe das Wort des Schöpfers erſcholl. Die Einbildungs⸗


