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„Mutter, du wirſt mich die Stunde meiner Geburt verwünſchen laſſen!“
Während Margarethe das kalte Mißtrauen nicht über⸗ winden konnte, welches die Gewohnheit allen ihren Ge⸗ fühlen eingewebt hatte, fühlte ſie ihre Härte und ſchwieg. Sie beugte ſich nieder, küßte die kalte Stirne des jungen Mannes, umarmte ihre Tochter auf das innigſte, betete eine Minute inbrünſtig über ihr und übergab dann das bewußtloſe Mädchen Adelheids Armen. Der ſchreckliche Kampf der Natur wurde durch einen übermenſchlichen Willen unterdrückt und ſie wandte ſich langſam gegen die ſtumme, tief ergriffene Menge, welche während dieſer Entfaltung eines edeln Charakters kaum geathmet hatte.
„Bezweifelt Jemand hier,“ fragte ſie ſtreng,„Bal⸗ thaſars Unſchuld?“
„Niemand, gutes Weib, Niemand!“ verſetzte der Landvogt, ſeine Augen trocknend:„gehe in Frieden nach Haus und Gott ſey dein Geleite!“
„Er iſt vor Gott und der Welt losgeſprochen!⸗ fügte der würdevollere Walliſer hinzu.
Margarethe winkte Balthaſar, voranzugehen, und ſchickte ſich an, die Kirche zu verlaſſen. Auf der Schwelle wandte ſie ſich noch einmal um, und warf einen langen Blick auf Sigismund und Chriſtinen. Die zwei letzteren hielten ſich weinend umarmt und Margarethens Seele ſehnte ſich, ihre Thränen mit denen der ſo heiß Gelieb⸗ ten zu vermiſchen. Aber feſt in ihren Entſchlüſſen, kämpfte ſie den Strom des Gefühls nieder, der ſo furcht⸗ bar in ſeinem Ungeſtümm geworden wäre, wenn er die Schranken durchbrach und folgte, trocknen, glühenden


