Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

Wenn die Glücklichen und Stolzen weinen, iſt es Zeit, daß die Armen ihre Thränen trocknen, ſetzte Bal⸗ thaſar's Weib hinzu, indem ſie mit einer Miſchung von Qual und Stolz, die ſich in ihrem Antlitz bekämpften, umher blickte. Denn, was ſie auch ſagen mochte, es war ſichtbar, daß ſie ihrem Rechte auf den edlen Jüngling mit tiefem Leid und herbem Seelenkampfe entſagte.Wir haben mindeſtens einen Troſt, Chriſtine Alle werden uns nun nicht verachten, die nicht aus unſerm Geſchlechte ſtammen. Habe ich recht, Sigismund du wirſt nicht, wie die Welt, auf uns ſchauen und die haſſen, die du einſt liebteſt?

Mutter Mutter! um der heiligen Jungfrau willen, quäle meine Seele nicht 12

Ich will kein Mißtrauen in dich ſetzen, Theurer! du haſt nicht an meiner Bruſt getrunken, aber du haſt zu viele gute Lehren von meinen Lippen gehört, um uns zu verachten und doch gehörſt du uns nicht an; es wird ſich wohl zeigen, daß du eines Fürſten Sohn biſt und die Welt verhärtet das Herz ſo ſehr und die, auf welchen das Schickſal ſchwer laſtete, werden miß⸗ trauiſch..

Um Gottes willen, ſchweige, Mutter, oder du brichſt mir das Herz!

Komm hierher, Chriſtine! Sigismund, dieſes Mäd⸗ chen geht mit deiner Gemahlin: wir ſetzen das höchſte Vertrauen in deren Adel und Grundſtze, die du geehligt haſt, denn ſie wurde geprüft und würdig befunden. Liebe das Kind; ſie war deine Schweſter und dein Herz war

ihr ja ſtets ergeben.

2

eS