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ſeine Lippen, ſo daß man ſah, ihr hoher, obgleich ſtrenger Charakter habe tiefe Spuren in ſeinem Gedächtniß zu⸗ rückgelaſſen. Sich ſeiner krampfhaften Hand entziehend — denn der junge Mann fühlte eben jetzt das Bittere recht tief, jene frühern Bande trennen zu müſſen, welche in ſeinen Augen wegen ihres geheimnißvollen Eharakters etwas wild Romantiſches hatten— ſchied ſie die Locken auf ſeiner hohen Stirne, blickte ihm lange in das Antlitz und erforſchte jeden Zug bis in ſeine kleinſten Schatten. „Nein,“ ſagte ſie, ſchmerzlich das Haupt ſchüttelnd —„wahrlich, du gehörſt uns nicht an und Gott hat ſich gnädig gegen uns bewieſen, als er das unſchuldige Kind zu ſich nahm, deſſen Stelle du ſo lange unſchuldig einnahmſt. Du warſt mir theuer, Sigismund— ſehr theuer— denn ich glaubte dich unter dem Fluche meines Geſchlechtes; haſſe mich nicht, wenn ich dir ſage, mein Herz ſey jetzt im Grabe des—“ „Nutter!“ rief der junge Mann vorwurfsvoll. „Ja, ich bin noch deine Mutter,“ antwortete Mar⸗ garethe ſchmerzlich lächelnd:„du biſt ein edler Jüngling und kein Wechſel kann je dein Herz ändern. Es iſt ein grauſames Scheiden, Balthaſar, und ich weiß nicht, ob du recht gethan haſt, mich zu täuſchen; denn der Jüng⸗ ling gab mir eben ſo viel Kummer als Freude— Kum⸗ mer, bitteren Kummer, daß er verdammt ſeyn ſollte, unter dem Fluche unſerer Familie zu leben— aber es iſt jetzt vorüber— er iſt ja nicht unſer— nein, er iſt nicht mehr unſer!“ Dieſe Worte klangen ſo ſchmerzlich, daß Sigismund ſein Geſicht mit den Händen bedeckte und laut ſchluchzte. 79— 81. 21


