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Chriſtine bemerkte, daß die Hand ihres Verlobten,
ſich der ihrigen kalt entwandte, und ſie fühlte das Er⸗ ſtarren ihres Blutes, welches gewöhnlich großer und de⸗ müthigender Scham folgt. Dennoch kämpfte ſie die Schwäche nieder, indem ſie auf die Gerechtigkeit Ande⸗ rer ein Vertrauen ſetzte, das gewöhnlich den Schuldloſe⸗ ſten am tiefſten inne wohnt. Sie folgte dem Zuge auf ſeinem Umgang mit einem Schritte, deſſen Beben man für nichts anderes, als für die ihrer Lage ſo natürliche Verlegenheit nahm.
In dieſem Augenblicke, wo der bunte Zug an dem Rathhauſe vorbei kam, und das Muſikchor die Luft er⸗ füllte, während eine allgemeine Bewegung die Menge weiter drängte, wurde in dem Gebäude ein Lärmruf ge⸗ hört. Ihm folgte unmittelbar jenes Hinſtrömen von Körpern zu der Stelle, das in einem großen Gedränge eine plötzliche und allgemeine Theilnahme an einem neuen und außerordentlichen Begebniß andeutet.
Die Menge wurde zurückgetrieben und zerſtreute ſich, der Zug war verſchwunden und es zeigte ſich eine unge⸗ wöhnliche Thätigkeit und Heimlichkeit unter den Bedien⸗ ſtigten des Städtchens, ehe die Wenigen, welche auf dem Platze blieben, ſich die Urſache dieſer Störung allmählig zuflüſterten. Das Gerücht verbreitete ſich, einer der Ge⸗ fangenen, ein athletiſcher italieniſcher Seemann, habe die Aufmerkſamkeit der andern Wachter des Ortes, welche bei dem Feſte beſchäftigt geweſen, benutzt, um die ein⸗
zige Schildwache niederzuwerfen und ſeine Flucht zu be⸗
werkſtelligen, wobei ihm alle die Trunkenbolde, die noch laufen konnten, gefolgt waren.


