Teil eines Werkes 
1. Th. (1833)
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all das Unrecht zu begreifen, das die Welt durch ihre grauſamen Sitten anſtiftet.

Wir wollen jetzt nur von deiner Schweſter ſprechen. Hat man hier über ihre Hand verfügt, ohne ihre Wünſche zu berückſichtigen, Sigismund?

Ich hoffe es nicht. Chriſtine iſt weich, aber wäh⸗ rend weder Wort noch Blick die Schwäche verräth, fühlt ſie doch die Laſt, die uns beide niederdrückt. Sie hat ſich lange daran gewöhnt, ihre eigenen Verdienſte nur vermittelſt dieſer Erniedrigung zu ſehen und hat auf ihre trefflichen Eigenſchaften einen zu geringen Werth gelegt. Viel, ſehr viel hängt in dieſem Leben davon ab, daß wir uns gewöhnen, uns ſelbſt zu ſchätzen, Adelheid; denn wer bereit iſt, Unwürdiges zuzulaſſen, ich ſpreche nicht von einer Schuld gegen Gott, ſondern gegen Menſchen der wird ſich bald durch Gewohnheit mit einer Richt⸗ ſchnur vertraut machen, die unter ſeinen gerechten An⸗ ſprüchen iſt und vielleicht damit endigen, daß er das wird, was ihm Schrecken einflößte. Dies war die Folge

von Chriſtinens Bekanntſchaft mit ihrer Abkunft; denn

ihr weiches Gemüth ſieht eine Art Großmuth darin, dieſen großen Flecken zu überſehen und ſo neigte ſich ihr Geiſt zu ſehr, den Jüngling mit einer Anzahl Tugenden auszuſtatten, welche zu ihrer Achtung durchaus nothwen⸗ dig ſind, welche aber, wie ich fürchte, nur in ihrer war⸗ men Phantaſie leben.

Das berührt den ſchwerſten Zweig der menſchlichen Erkenntniß, erwiederte Adelheid, über den aufgeregten Bruder mild lächelndeine gerechte Würdigung unſrer ſelbſt. Wenn eine Gefahr dabei iſt, unſere Verdienſte