Teil eines Werkes 
1. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

338

wird nie Urſache haben, ihre Wahl zu bereuen,⸗ ſagte ſie, ihre Schritte hemmend, ſo daß die Entfernung zwi⸗ ſchen ihr und denen, von welchen ſie nicht gehört zu werden wünſchte, größer ward, während ſie Sigismund näher kam; ees iſt etwas furchtbar Widerſtrebendes für jedes jungfräuliche Gefühl, bei einer ſo entſcheiden⸗ den und feierlichen Handlung wie die, wenn das Gelöb⸗ niß der Treue abgelegt wird, ſich vor die Augen der Neugierigen und Rohen geſchleppt zu ſehen!

Arme Chriſtine! Ihr Schickſal war von Kindheit auf bemitleidswerth. Ein reinerer und milderer Geiſt, als der ihrige, ein Weſen, das empfindlicher vor rauher Berührung zurückbebt, lebt nicht; und doch ſieht ſie, wohin ſich auch ihr Auge wenden mag, nur ſchreckende Vorurtheile und Meinungen, welche ein ſo zartes Ge⸗ ſchöpf zum Wahnſinn bringen müſſen. Es mag ein Un⸗ glück ſeyn, Adelheid, der Bildung zu entbehren und verdammt zu ſeyn, ſein Leben in der Ode der Unwiſ⸗ ſenheit und in der Sclaverei roher Leidenſchaft hinzu⸗ bringen; aber es iſt kaum ein Glück, den Geiſt über die Beſchäftigungen, welche eine grauſame und ſelbſtſüchtige Welt ſo häufig aufdringt, erhaben zu fühlen.

Du ſprachſt von deiner ſanften und vortrefflichen Schweſter?

Du ſchilderſt ſie richtig. Chriſtine iſt ſanft, und

mehr als beſcheiden ſie iſt demuthig. Aber was kann

die Demuth ſelbſt thun, um ein ſolches Unglück auszu⸗

gleichen? Mein Vater wünſchte, den Schandfleck ſeiner

Familie von allen, bei denen es möglich war, abzuwen⸗ den und ließ daher meine Schweſter, ſo wie mich, früh

e=