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Der Neapolitaner, einer der verſchmitzteſten Burſche, der mehr kleine Vergehen auf der Seele hatte, als irgend jemand, der ſich heute an dem Waſſerthore zeigte, umgab ſich gewöhnlich mit jeder Vorſicht, welche die lange Er⸗ fahrung eines Vagabundes eingeben konnte und wurde ohne weiteres durchgelaſſen. Der arme Weſtphäliſche Ge⸗ lehrte hielt ein in mittelalterlichem Latein zierlich geſchrie⸗ benes Document hin und entging jeder weitern Beläſti⸗ gung durch die Citelkeit des ungebildeten Stadtwächters, der haſtig behauptete, es ſey eine wahre Freude, ſolche in alter Form abgefaßte Documente vor die Augen zu bekommen. Aber der Berner ſchien jede Unterſuchung in ſeinem Falle für unnöthig zu halten und wollte ſich ohne weiteres den zwei andern zugeſellen. Während ſich Nicolaus Wagner in ſtattlichem Schweigen dem Thore zu bewegte, beſchäftigte er ſich damit, die Schnüre einer wohlgeſpikten Börſe wieder zu befeſtigen, welche er eben um ein kleines Kupferſtück leichter gemacht hatte, um den Aufwärter der Herberge zu belohnen, in welcher er die Nacht hingebracht, und der ihm bis zu dem Hafen hatte folgen müſſen, dieſe ſpärliche Gabe zu erhaſchen.
jetzige Gendarmerie⸗ und Paß⸗Syſtem damals in Europa nicht galt und faſt ein Jahrhundert ſpäter, als das, in welchem die Begebenheiten dieſer Erzählung Statt fanden, entſtanden iſt. Aber Genf war ein kleiner und bloßgeſtellter Staat und die Anordnung, von welcher hier die Rede iſt, war eine der Vorſichtsmasregeln, zu welcher man von Zeit zu Zeit ſeine Zuflucht nahm⸗ um die Freiheiten und die Unabhängigkeit zu ſchützen, auf welche ſeine Bürger ſo unausgeſetzt und ſo weiſe eiferfüchtig waren. Verf.


