Jahrgang 
6 (1851)
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Kaiſer Joſeph und der Sekretär.

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halte, und da die Antwort verneinend ausfiel, ſo beſchloß Walther, dieſen Mann im Auge zu behalten. Er ſpielte noch eine Zeit lang mit den andern Herren und gewann einen Theil ſeines Geldes wieder. Dann erhob er ſich zum Gehen. Dabei fiel ſein Blick auf Walther, und dieſer glaubte zu bemerken, daß der Fremde ſtutze, konnte ſich jedoch auch geirrt haben, denn gleich darauf ging derſelbe gleichgültig an ihm vor⸗ über, zur Thür hinaus.

Walther erkundigte ſich nach der Wohnung des Herrn von Stein, und da dieſelbe der ſei⸗ nigen benachbart war, ſo ging er an derſelben vorüber und ſah einige Zimmer erleuchtet. Noch am Abend begab er ſich dann zum Vorſteher der Polizei, der ihn noch vom Frühjahr her kannte und lange genug vergebliche Nachfor⸗ ſchungen nach ihm angeſtellt hatte, und erkundigte ſich bei dieſem nach den näheren Verhältniſſen des Herrn von Stein. Dort erfuhr er, daß man denſelben im Verdacht habe, ein ſehr feiner, vielleicht ein falſcher Spieler zu ſein, da er mehr Geld ausgebe, als er einnehme. Walther bat den Vorſteher, ein wachſames Auge auf dieſen Herrn von Stein zu haben.

Am andern Morgen ſetzte er dann unter der Hand ſeine Erkundigungen fort und erfuhr, daß Herr von Stein die Geſellſchaften einiger Mag⸗ naten beſuche, die ſich vor allen anderen durch ihren Haß gegen Oeſterreich auszeichneten. Am Abend kam der Vorſteher der Polizei ſelbſt zu ihm und meldete ihm, daß Herr von Stein ſich gewöhnlich bei Anbruch der Dämmerung nach einem verfallenen und unbewohnten Hauſe in einer Vorſtadt begebe und dort einige Stunden zubringe. Dieſer Umſtand ſchien verdächtig, und Walther theilte dem Vorſteher Einiges von dem mit, was er in Bezug auf Herrn von Stein muthmaßte. Dieſe Mittheilungen ſchienen dem Vorſteher wichtig genug, um Herrn von Stein zu überraſchen und wo möglich genauere Auf⸗ ſchlüſſe über ſein Thun und Treiben zu erhalten, und Walther verſprach, bei der Expedition zugegen zu ſein, die am Nachmittage des andern Tages, ſobald Herr von Stein ſich wieder nach jenem einſamen Hauſe begab, ausgeführt werden ſolle.

Walther erwartete den Nachmittag dieſes Tages mit Ungeduld. Um vier Uhr kam der Vorſteher der Polizei mit zwei Begleitern, ſämmt⸗ lich in Civil, aber mit Piſtolen bewaffnet und mit einigen Werkzeugen, die vielleicht nöthig waren, verſehen. Ein Vierter, der auf der Straße geblieben war, ging voran und führte die Expedition nach dem Hauſe.

Es mochte früher geräumig und gut aus⸗ ſehend geweſen ſein. Jetzt trug es die Spuren ſichtbaren Verfalls. Man hatte den Herrn von Stein hineingehen ſehen. Nichtsdeſtoweniger wa⸗ ren alle Fenſter und Thüren verſchloſſen.

Man wartete bis zum Anbruch der Dunkel⸗ heit, dann wurde eins von den unteren Fenſtern gewaltſam geöffnet und die Männer ſtiegen in das Erdgeſchoß. Mit ihren Blendlaternen un⸗ terſuchten ſie vorſichtig beide Stockwerke, aber nirgends fand man eine Spur von der Anwe⸗ ſenheit eines Menſchen. Eine Thür, die in den Kellerraum hinabführte, war verſchloſſen. In⸗ nen ſchien ein Schlüſſel zu ſtecken. Das Schloß wurde daher geräuſchlos abgebrochen und die Männer ſtiegen in den Keller hinab.

Es währte einige Zeit, ehe ſie, ſtill und ſchweigſam daſtehend, einen Ton hörten, der ſie auf die Spur leitete. Sie hörten Stimmen, und vorſichtig dem Schalle nachgehend, entdeck⸗ ten ſie einen Lichtſchein, der durch ein Schlüſſel⸗ loch fiel. Der Vorſteher ſah hinein.

Es iſt kein Zweifel, flüſterte er, ſich nach einigen Minuten an Walther wendend, daß wir es mit Falſchmünzern zu thun haben. Zwei Männer ſind im Zimmer. Der eine iſt Herr von Stein, den andern kenne ich nicht. Auf dem Tiſche liegen Kupferplatten, Grabſtichel, und auf der Erde ſteht eine Preſſe. Auch Papier iſt dort, ſie fälſchen alſo Banknoten. Dieſe Entdeckung iſt nicht unwichtig, wenn ſie auch mit dem, was Sie mir mittheilten, nichts zu thun hat.

Walther ſah nun ebenfalls lange durch das Schlüſſelloch.

Es ſcheint mir, als hätte ich noch eine andere Entdeckung gemacht, flüſterte er dann dem Vorſteher zu. Den Mann, der bei dem ſoge⸗ nannten Herrn von Stein iſt, kenne ich. Er wa