164 Kaiſer Joſeph und der Sekretär.
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Es war Walther, der die unheimliche Stätte, die ihm ſo viel Unglück gebracht, noch einmal hatte beſuchen wollen. Er war unter fremdem Namen in Buda⸗Peſth zurückgeblieben. Graf Th. war ihm nach Wien vorausgeeilt, mit einem Briefe Walthers, in welchem dieſer den Kaiſer bat, zuerſt alle Umſtände genau zu prüfen, ehe er ihm erlaubte, nach Wien zurückzukehren. Wal⸗ ther bat in dieſem Briefe auch den Kaiſer, ihm die verliehenen Ehren theilweiſe wieder zu ent⸗ ziehen, da er ſich derſelben nicht würdig fühle, auch nicht glaube, ſie mit Recht tragen zu kön⸗ nen. Zugleich hatte er hinzugefügt, daß er ſich bis zur Rückantwort des Kaiſers in Peſth auf⸗ halten wolle, um ſeine angegriffene Geſundheit zu kräftigen und Nachforſchungen nach jenem Herrn anzuſtellen, der in der Unterredung des Fürſten mit dem fremden ungariſchen Grafen auf dem Schloſſe erwähnt worden, und der es über ſich genommen hatte, den ſchändlichen Plan gegen den Kaiſer auszuführen.
Walthers Züge, früher noch etwas zu jugend⸗ lich für einen Mann, waren in der letzten Zeit ſehr gealtert, ohne ihm aber den Ausdruck jener eigenthümlichen Mannesſchönheit zu rauben, die einen ſo tiefen Eindruck auf faſt alle Frauen machte, die ihn ſahen. Sein Geſicht war ern⸗ ſter, trüber geworden, aber es ließ ſich annehmen, daß wenn die Freude und Heiterkeit in dieſes gequälte Herz zurückkehrte, dann auch ſeine Wangen ſich wieder röthen und die Farbe der Jugend annehmen würden.
Walther war ohne einen Diener in Peſth Wrückgeblieben und wohnte in einem Gaſthauſe. Es war ſpät Nachmittag, und da er ſich ver⸗ einſamt und ermüdet fühlte, ſo trat er in der Nähe der Brücke in ein beſuchtes Kaffeehaus, um dort ein wenig auszuruhen.
Er hatte noch nicht lange dort geſeſſen und in einer Zeitung geleſen, als ein Mann ihm auffiel, der in einer Ecke des Saales ſaß und mit einigen Herren ſprach. Walther glaubte in dieſem Geſichte etwas Bekanntes zu finden, ohne jedoch zu wiſſen, weshalb, denn er hatte nie einen Herrn mit einem ſo großen Schnurrbart, glattgeſchorenem Haar, großen Reiterſtiefeln und
der Miene eines Raufboldes gekannt. Allmählich jedoch, als er den Mann genauer fixirte, erinnerte er ſich, daß derſelbe Aehnlichkeit mit dem Grafen Alfred von Bilſenburg habe. Zwar war er feſt überzeugt, daß es der Graf nicht ſein könne, den er in Bilſenburg oder Wien vermuthete, als Ge⸗ liebten oder Gatten Sidoniens von Derenburg, auch hatte ſich der Graf nie auf dieſe Weiſe betragen und geberdet. Da aber ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit einmal rege geworden war, ſo fragte er den Kellner, wer dieſer Herr ſei. Der Kellner ſagte, es ſei ein Herr von Stein, ein Preuße, ein wohlhabender Mann, der ſich eine Zeit lang aus unbekannten Zwecken in Peſth aufhalte, im Rufe eines vollendeten Kavaliers ſtehe, ein guter Spieler und gefurchteter Duellant ſei.
Walther hörte dieſe Mittheilungen mit gro⸗ ßer Aufmerkſamkeit an, da der Name Stein ſogleich in ihm Erinnerungen an den oben er⸗ wähnten Herrn erwecken mußte. Er behielt ihn genau im Auge. Herr von Stein ſpielte mit den anderen Herren Karte, und zwar, wie Wal⸗ ther bemerkte, obgleich es geheim geſchah, um hohen Einſatz. Eine Zeit lang gewann Herr von Stein, dann aber ſchien ihn das Unglück zu verfolgen. Er verlor und zahlte beträͤchtliche Summen an ſeine Mitſpieler in ganz neuen öſterreichiſchen Banknoten.
Dieſer letztere Umſtand fiel Walther auf und erregte eine Art von Verdacht in ihm. Der ungariſche Graf hatte zu dem Fürſten geſagt, daß Herr von Stein nicht bemittelt ſei, und hier zahlte er bedeutende Summen in neuen Bank⸗ noten. Sollte der Fremde von den Magnaten unterſtützt werden, ſollte man ihn bereits für den Plan gewonnen haben und ihm einen Theil der Summe, die wahrſcheinlich als Judas⸗Geld für ſeinen Verrath beſtimmt war, ausgezahlt haben? Das war nicht unwahrſcheinlich und Walther wurde von einer quälenden Unruhe er⸗ griffen, wenn er daran dachte, daß das Leben und Wohl ſeines kaiſerlichen Freundes von der Schurkerei eines ſolches Menſchen abhänge und jeden Augenblick gefährdet werden könne.
Er fragte den Kellner, ob ſich außerdem noch ein anderer Herr von Stein in Buda⸗Peſth auf⸗


