166 Kaiſer Joſeph und der Kekretär.
vor mir Sekretär des Grafen Kinsky und kehrte dann zum Grafen Alfred von Bilſenburg zurück, bei dem er früher Kammerdiener geweſen. Schon vorgeſtern fiel mir die Aehnlichkeit dieſes Herrn von Stein mit dem Grafen Bilſenburg auf. Nur halte ich es für unmöglich, daß es der Graf ſein könne. Ich wüßte keinen Grund, weshalb er hier falſche Banknoten machen ſollte.
— Er wird es dennoch ſein und Ihre Mit⸗ theilung iſt von der größten Wichtigkeit! flüſterte der Vorſteher. Vor einigen Monaten kam die geheime Meldung hierher, daß der Graf Alfred von Bilſenburg aus Wien verſchwunden ſei und daß wir denſelben, falls er ſich hier aufhalte, ſogleich unter Bedeckung nach Wien ſenden ſoll⸗ ten. Weshalb das geſchehen, weiß ich nicht. Aber es war der Fall. Um ſo wichtiger iſt es jetzt für uns, den Grafen in unſere Gewalt zu bekommen. Die Thür ſcheint offen zu ſein, ich ſehe keinen Riegrl. Wahrſcheinlich halten ſie ſich hier für ſicher genug. Nur raſch hinein!
Er riß an der Thür, die dennoch mit einem Riegel verſehen war, der jedoch aufſprang. Die vier Männer ſtürzten ins Zimmer, und noch ehe ſich Graf Alfred— oder Herr von Stein— beſinnen konnte, war er von den beiden Beglei⸗ tern des Vorſtehers ergriffen.
— Was iſt das? rief er mit entſetztem Ge⸗ ſicht. Räuber! Mörder! Wer wagt es, mich hier in meiner Zurückgezogenheit, bei meinen Zeichnenſtudien zu ſtören?
— Schöne Studien! ſagte der Vorſteher ſpöttiſch. Haben Sie die Güte, uns zu folgen, Herr Graf! Wir wiſſen jetzt, worin Ihre Be⸗ ſchäftigung beſteht. Sie iſt Ihrer unwürdig, Herr Graf, und wir werden dafür ſorgen, daß Sie in Wien eine beſſere erhalten.
— Unſinn! rief Herr von Stein. kein Graf. vorzuliegen.
— Ich glaube kaum! ſagte jetzt Walther ruhig. Das iſt Herr Weckerle, Ihr Kammer⸗ diener, und Ihr Geſicht kenne ich noch gut genug, Graf Bilſenburg. Ich weiß nicht, weshalb Sie dieſes Inkognito angenommen haben. Vielleicht um Ihre Angelegenheit mit gewiſſen ungariſchen
Ich bin Hier ſcheint eine Verwechſelung
Magnaten um ſo ruhiger und ſicherer betreiben zu können.
Der Graf erbleichte und murmelte einige Worte von einem unverſchämten Federfuchſer.
— Entſchuldigen Sie, Herr Graf, ſagte Walther lächelnd. Wenn Sie mich damit mei⸗ nen, ſo bedienen Sie ſich des unrechten Aus⸗ drucks. Ich bin der Baron Eſchenburg, Ge⸗ heimer Rath Sr. Majeſtät des Kaiſers.
Der Graf ſah ihn ſtarr und mit einem faſt erſchreckten Blicke an.
— Nun gut, ſagte er dann, es wird ſich bald herausſtellen, daß dies eine Verwechſelung iſt. Ich bin bereit, Ihnen zu folgen, da ich ſehe, daß ich wirklich mit der Polizei zu thun habe. Weckerle!
Dieſer Ruf war von einem Wink begleitet, den der Kammerdiener erhielt. Da aber der Vorſteher dieſen Wink ebenfalls bemerkt hatte, ſo bedeutete er Herrn Weckerle, daß er ihm eine Kugel durch den Kopf jagen würde, wenn er ſich rühre. Einer von den Polizeimännern blieb zurück, die andern folgten dem Grafen, der trotzig voranſchritt, und Weckerle, der ein ſehr klägliches Geſicht machte und zu ahnen ſchien, daß die Sache ein ſchlimmes Ende nehmen würde.
Walther war vor allen Dingen erſtaunt über dieſe veränderte Lage des Grafen, und zog noch am Abende Erkundigungen über denſelben ein. Die Auskunft, die er erhielt, war ungenau, reichte aber hin, ihn zu beunruhigen, denn er erfuhr, daß Sidonie von Derenburg ſchon ſeit geraumer Zeit und plötzlich Bilſenburg verlaſſen habe. Seine Vermuthung, daß ſie die Gattin Alfreds geworden, war alſo gewiß ungegründet. Was war denn aber mit ihr vorgegangen, da ihm doch der Kaiſer geſchrieben, daß ſie leider auf immer für ihn verloren ſei! War ſie todt? Hatte ſie ſich ſo ſchnell entſchließen können, einen andern Gemahl zu wählen?
Walther wünſchte jetzt ſehnlichſt, Buda⸗Peſth verlaſſen und nach Wien eilen zu können, wo er über alle dieſe Zweifel Gewißheit erhalten mußte. Im Verlaufe des andern Tages wurde er zu dem Vorſteher der Polizei gerufen. Es hatte ſich her⸗ ausgeſtellt, daß der Verhaftete wirklich der Graf


