4 Kedderic von Norrmann.
Die zweite Beſtimmung deſſelben für Dich, mein Sohn, lautet dahin, daß Du nur mit jenem Namen, alſo arm und ohne jegliches Vermögen, in die Welt trittſt, weil er ſchon früh in Dir die Fähigkeiten entdeckte, die Dich nach ihrer Entwickelung zu dem machen ſollen, was Du einſt ſein wirſt. Es war demnach ſein Wille, daß Dir die beſte Unterweiſung in Allem, was Dir dienlich und nützlich ſein könne, zu Theil werde. Dies iſt geſchehen, und ſtark in jeder ritterlichen Tugend, wie reich an Wiſſen, darfſt Du Dich der Welt ohne Scheu zeigen. Be⸗ zeuge mir, mein Sohn, daß ich hierin meine Pflicht erfüllt, damit ich ruhig vor das Antlitz des ſtrengen Mannes hintreten darf, deſſen Ge⸗ bot ich gehorchte und deſſen Befehlen Du gehor⸗ chen mußt.
— O meine geliebte, theure Mutter! rief der Jüngling und warf ſich abermals zu Boden, ſcho⸗ nen Sie mich, ich ertrage dies nicht länger!
— Sei ein Mann, Fedderic! antwortete die Dane, und erſchüttere mich nicht; ich bin noch nicht zu Ende und bedarf zu dem, was ich Dir noch mitzutheilen habe, jedes Reſtes meiner Kraft. Es iſt ferner der Wille Deines Vaters, daß Du Dich ſo ausgerüſtet, nachdem ich die Augen ge— ſchloſſen, oder Du das zwanzigſte Jahr erreicht haſt, ſofort nach Stockholm an den Hof König Karls XII. begiebſt, um ihm Deine Dienſte an⸗ zubieten. Erſteres wird bald geſchehen ſein, und nach einem letzten Kuſſe auf meine erkaltenden Lippen beſteigſt Du, ohne noch ein Wort mit Lor⸗ ſen zu wechſeln, Dein Roß, um dem Befehle nach⸗
zukommen. Dies Papier wird Dir eine Aufnahme
am ſchwediſchen Hofe ſichern. Die Dame übergab dem Jünglinge ein neues Papier und dieſer las:
„Der König, unſer vielgeliebter Sohn und Nachfolger, wird dem Vorzeiger dieſer Urkunde eine Bedienung bei Hofe und wo möglich einen Rang unter ſeinen Leibtrabanten gewähren Solches iſt Unſer ernſter Wille, welcher reſpek tirt werden ſoll, weßmaßen Wir denſelben eigenhändig unterzeichnet haben und mit Un⸗ ſerem Königlichen Inſiegel bedrucken laſſen.
Carolus XI. Rex.“
Fedderic hatte Mühe gehabt, durch ſeine Thrä⸗ nen hindurch das Schriftſtück zu leſen. Als er aber aufblickte, fuhr die Dame fort:
— In dem Dienſte des Königs ſollſt Du fer⸗ ner demſelben ſtets treu ſein, getreulich bei ihm ausharren, durch keine Beleidigung deſſelben er⸗ zürnt werden und nach Deinen Kräften immer und zu jeder Zeit über und für ſein Wohl wachen, ſollſt ſelbſt für ihn zu ſterben bereit ſein; ſo lau⸗ tet der Wille Deines Vaters. Haſt Du mich ver⸗ ſtanden, mein Sohn?d
— Ich habe gehört, meine Mutter!
— Sollteſt Du aber einſt in Fährlichkeiten kommen, die Dir durch Recht und Gericht das Leben abſprechen dürften, ſo ſollſt Du das Per⸗ gament, welches ich um Deinen Hals gelegt, öff⸗ nen und ſeinen Inhalt dem Könige überreichen, ohne ſelbſt Kenntniß davon zu nehmen. Solches ſollſt Du auch überhaupt niemals thun, noch das⸗ ſelbe jemals in die Hände eines Anderen legen, und dies zu halten mußt Du mir ſchwören! Schwöre, mein geliebter Fedderic, daß Du nie Kenntniß von dem Inhalt jenes Pergaments neh⸗ men, noch es fortgeben willſt, daß Du dem Kö⸗ nige Karl XII. ſtets unverbrüchlich treu und an⸗ hängig ſein willſt, und daß Du, ſowie ich die Augen geſchloſſen, ſofort, ohne noch ein Wort mit Lorſen zu wechſeln, dies Haus verlaſſen willſt. Schwöre es mir bei den Glaubensſatzungen un⸗ ſerer Kirche.
— Ich ſchwöre, meine Mutter! ſchluchzte der junge Mann mit leiſer und kaum vernehmbarer Stimme.
— Meine mir auferlegte Pflicht iſt hiernach erfüllt, ſagte die Dame, und nun, mein Sohn, nimm mein Vermächtniß und meinen Segen. Zwar bin ich auch gebunden durch den Spruch Deines Vaters, und meine Verlaſſenſchaft ſoll unſerm Diener werden. Aber nimm dies Käſt⸗ chen, es iſt das Geſchenk einer Freundin von mir und Dir, und ſchon ſeit langer Zeit für Dich beſtimmt; es enthält nichts weiter, als ein Bild⸗ niß und eine kleine Summe Geldes, welche Dir aber doch vielleicht einmal nützlich ſein kann. Das Bildniß aber, mein Sohn, halte werth, denn jene Dame hat Dich ſehr geliebt und Du
—
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gieb mi
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