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edderic von Norrmann.
willſt Du die Sekunden kürzen, die mir noch ver⸗ gönnt ſind, und mich verhindern, meine Pflicht zu erfüllen?
— Verzeihung, gnädige Frau, Verzeihung! rief der alte Mann und verſuchte ſich mit ſicht⸗ barer Rieſenanſtrengung zu ermannen.
Er ſprang auf, küßte, wie ihm geheißen, die marmorweiße Stirn der Dame, womit er zugleich ein paar Thränen auf dieſelbe fallen ließ, die gewiß wie Feuer brannten, da die Kranke zu⸗ ſammenzuckte.—
Dann aber wendete er ſich zu dem jungen Manne, breitete ſeine Arme aus und es ſchien einen Augenblick, als ob er denſelben umarmen wolle.—.
Doch er that dies nicht, ſondern warf ſich von Neuem neben ihn auf den Boden, umklammerte
ſeine Beine und küßte ſeine Stiefeln.
— O mein—! mein— ſchluchzte er und ſtieß mehrmals an, als könne er nicht das rich⸗ tige Wort finden, mein gnädiger, mein gnädigſter Herr! Lebt wohl, lebt ewig wohl!
Der junge Mann, welcher der Bewegung des Alten nicht gewehrt, weil er ſie nicht zu bemerken ſchien, hatte auch dieſe Worte gehört, ohne ſie zu verſtehen. Aber er erhob ſich vom Boden und blickte den Diener an, als wiſſe er nicht, was derſelbe von ihm wolle.
— Lorſen ſagt Dir Lebewohl, Fedderic! flü⸗ ſterte die Dame.
— Ach ja, ja! ſchluchzte der Jüngling. Lebe wohl, Lorſen!
Lorſen, noch auf den Knieen, ergriff die ihm dargebotene Hand und bedeckte ſie mit Küſſen; dann erhob er ſich, warf noch einen Blick auf die Kranke, verbeugte ſich ſehr tief vor dem jun⸗ gen Manne und eilte hinaus, als fürchte er, daß die von ihm geſammelte Kraft ihn jeden Augen— blick verlaſſen könne.
Als Lorſen das Zimmer verließ, warf ſich der Jüngling wieder auf die Erde und es trat eine Pauſe ein, während welcher nur ſein Schluchzen und die ſchweren Athemzüge der Kranken den Raum erfüllten.
— Fedderic! lispelte endlich dieſe.
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— O meine theure Mutter! rief der Ange⸗ 1*
redete und richtete ſein edel geformtes, aber blaſ⸗ ſes Antlitz in die Höhe.
Die Dame heftete ihr Auge auf das Geſicht des Jünglings, und in dem Blicke deſſelben glühte die Wärme der Mutterſorge, welche das letzte Aufflackern der Seele in dem Strahle des Auges leuchten ließ.
— Mein Fedderic! wiederholte ſte, entblöße Deine Bruſt.
Der junge Mann blickte ſeine Mutter fragend an, aber er gehorchte.
Die Dame ergriff von einigen auf dem Bett liegenden Papieren ein kleines Pergament⸗Futteral, an welchem ein ſilbernes Kettchen befeſtigt war, und hing es dem Jünglinge mit Anwendung ihrer letzten Kräfte um den Nacken.
— Dies, ſagte ſie, komme nie von Deinem Halſe; ſeine Bedeutung ſollſt Du erfahren! Gott ſei Dank, daß ich dieſen verhängnißvollen Gegen⸗ ſtand nicht mehr beſitze!
Des jungen Mannes fragende Blicke verwan⸗ delten ſich in ſtaunende, aber er wagte nur, die Hand, welche ihm die Kette umgehangen, zum Zeichen ſeines Gehorſams zu küſſen.
Sichtlich noch mehr erregt, als zuvor, wogte die Bruſt der Kranken heftiger; doch ſie winkte mit der Hand, als der junge Mann Miene machte, zu ſprechen.
— Schweig, mein Fedderic, ſagte ſie, und höre: Die erſte Beſtimmung Deines Vaters lau⸗ tet dahin, daß Du nicht ſeinen Namen führen ſollſt. Aber Du biſt Edelmann, dies ſollte Dir nach ſeiner Meinung genügen, und hier iſt der Beweis dafür.
Die Dame nahm ein zweites Papier und reichte es dem jungen Manne, welcher es immer
erſtaunter und vielleicht eben deshalb mit noch
vermehrtem Schmerze öffnete und flüchtig hinein⸗ blickte.
Das Papier war ein Adelsdiplom vom Kö⸗ nige Karl XI. für die Familie Norrmann.
— Es iſt ja unſer Name, theure Mutter, ſagte der Jüngling.
— Ja, mein Sohn, der Name, den wir bisher ſchon führten, doch iſt es nicht unſer— es iſt nicht der wirkliche Name Deines Vaters. 1*
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