Jahrgang 
5 (1851)
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An und auf der See.

war, und bemerkte nicht das Zittern deſſelben; erſt als ihn Nanny zu einer Bank zog, fragte er:

Du ſcheinſt angegriffen, Nanny. Biſt Du unwohl?

Robert ach, Robert! ſchluchzte die Kleine. Warum ließeſt Du mich nicht bei der Mutter im Meere?

Nanny was fehlt Dir? rief der junge Mann erſtaunt.

Das Mädchen warf ſich um ſeinen Hals und weinte heftiger. Die Umarmungen deſſel⸗ ben drohten ihn faſt zu erſticken, und der glü⸗ hende Athem ihres Mundes brannte auf ſeinen Wangen, während ſie ſein Geſicht mit Küſſen bedeckte.

Robert bemerkte jetzt allerdings die Erregung der Kleinen und ihren fieberhaften Zuſtand, aber ſein eigener verhinderte ihn, in den unheimlich blitzenden Augen, in der Heftigkeit ihrer Be⸗ wegungen und in der Gluth ihrer Küſſe das Feuer zu erkennen, welches die Bruſt des jun⸗ gen Mädchens verſengte.

Du biſt krank, meine Nanny! ſagte er beſorgt.

Ja, Deine Nanny iſt krank, flüſterte die Kleine und ſank erſchlafft zurück, ſehr krank, Robert, und ſie wird ſterben!

Robert führte das Kind in das Schloß und man brachte daſſelbe zu Bette. Am ande⸗ ren Tage ſtellte ſich ein hitziges Fieber ein, Nanny phantaſirte und kam in kurzer Zeit dem Tode nahe. Es war der erſte Unfall, welcher das junge Glück Roberts trübte, der dort die Schweſter wähnte, wo das Schickſal ihm die Braut zuführen wollte, und dort die Geliebte ſuchte, wo er die Schweſter finden ſollte.

Nanny's Krankheit machte Robert ſehr be⸗ trübt und den Major beſorgt, brachte aber ſo wenig wie die wilden, unzuſammenhängenden Phantaſieen, in welchen Roberts Perſon und Nanny's Liebe zu demſelben eine Hauptrolle ſpielten, eine Wirkung auf die augenblicklichen Verhältniſſe hervor, da Niemand den Grund der Krankheit des Mädchens ahnte, und Nie⸗ mand in den Worten ihres Deliriums die Art ihrer Liebe erkannte, denn daß das Kind dem jungen Manne zugethan war, erſchien als et⸗ was zu Natürliches, um auffällig zu ſein. Der Major und Robert gingen daher eines Tages nach Schloß B. ab, und Erſterer trat als Freiwerber für ſeinen Adoptivſohn auf. Ddeer Antrag des alten Herrn ward aufge⸗ nommen, wie man es erwarten konnte, und nichts fehlte jetzt mehr zu dem Glücke der Lie⸗

benden, ja man hätte ſagen können, zu dem

Glücke der ganzen Familie, auf deren Glieder ſich der Zuſtand jener Beiden ausdehnte.

Konnte es nun nicht ſo bleiben? Konnte nicht der Schleier, welcher die Vergangenheit deckte, noch feſter über dieſelbe gezogen werden? Und wer hätte die Liebenden in ihrer Bewußt⸗ loſigkeit der Sünde zeihen mögen, wer ihrem Ehebette den Stempel verbrecheriſcher Handlun⸗ gen aufzudrücken vermocht?

Doch die unſichtbaren Mächte aͤffen den Menſchen oft fürchterlich. Es gab noch andere lebende Perſonen, die in dem Drama mitzuwir⸗ ken hatten, und wenn ſie mit ihrer Erſcheinung auf ſich warten ließen, ſo iſt dies kein Grund, dieſelbe überhaupt zu bezweifeln.

Bleiben wir indeſſen zunächſt bei der beſon⸗ ders für Robert und Conſtance glücklichen Ge⸗ genwart ſtehen.

Beide waren jung und ſchuldlos; ihre Seele gut, ihr Herz edel, und wer mit ſolchen Eigen⸗ ſchaften ausgerüſtet jemals das Gefühl der er⸗ ſten Liebe rein empfunden, wird ſich erinnern, welche Seligkeit die Stunden des Zuſammen⸗ ſeins zu bieten vermögen, welche Wonne die Zeit der Trennung durch die Bilder der ſchwär⸗ menden Phantaſie und die den Raum durch⸗ fliegende Sehnſucht nach dem geliebten Gegen⸗ ſtande ſchafft.

Nichts hinderte, nichts ſtörte die beiden jun⸗ gen Leute, und ohne Rückhalt konnten ſie jeder ihrer Empfindungen, jeder Neigung nachgeben, und mit dem Beginn des Herbſtes folgte dieſen erſten glücklichen Tagen der Liebe die Verlobung.

Sie war zugleich die Feier der Wieder⸗ geneſung Nanny's, über welche Alle ohne Aus⸗ nahme ihre Freude an den Tag legten.

Das arme Mädchen mit ihrem zerriſſenen Herzen war nämlich wirklich nach einem mehr⸗ monatlichen ſchweren Krankenlager erſtanden, aber wie?

Was ihr körperliches Befinden nach dem⸗ ſelben betraf, ſo war daſſelbe im Allgemeinen, wie es gewöhnlich nach nervöſen Fiebern iſt, angegriffen, ſchwach, und die Glieder kraftlos; aber eine andere Erſcheinung bot der Wachs⸗ thum dar, welcher ſich auffallend während die⸗ ſer Zeit entwickelt hatte. Nanny, die Erkrankte, legte ſich als ein Kind mit üppigen, vollen Formen auf das Schmerzenslager; die Ge⸗ neſende erſtand als eine hohe, ſchlanke, ſchmäch⸗ tige Jungfrau wieder.

Gewiß war dieſe Erſcheinung eine Nach⸗ wirkung der ſo früh ertragenen Strapazen und Leiden, welche auch wohl den Keim zu ihrer