Jahrgang 
5 (1851)
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Mädchens, jedoch heftiger, ſtürmiſcher, als ſie den ſeinigen. Conſtance fuhr leiſe fort:

Ich habe Sie nicht im Gedächtniſſe be halten, um Sie zu haſſen, Robert; ja, wäre nicht dieſe Wendung der Dinge eingetreten, ich hätte Sie aufgeſucht, mich zu Ihren Füßen hingeworfen, wie ich es jetzt thue, und gerufen: Geliebter! tödte mich, wenn Du mich nicht wie⸗ derlieben kannſt.

Conſtance hatte wirklich den Verſuch ge macht, ſich niederzuwerfen, doch Robert war ſchneller als ſie, er lag bereits auf den Knieen und fing die Geliebte in ſeinen Armen auf; ihre Lippen fanden ſich, und in ſtummer Um

armung ſchwelgten Beide den erſten Rauſch der reinen Liebe. Mein Geliebter! hauchte endlich das Mädchen. Geliebte! flüſterte Robert, und feuriger bedeckten ſeine Küſſe die Korallenlippen derſel⸗ ben. Gott Amor feierte einen ſeiner ſchönſten Triumphe.

Noch lange wandelten die Liebenden in den ſchattigen Laubgängen unter traulichem Koſen einher; die Zeit verſtrich und man wurde be ſorgt ihretwegen. Das Rufen der Geſchwiſter Conſtance's riß Beide aus dem Himmel der Glückſeligkeit, in welchem ſie ſich bewegten, und veranlaßte ihre Rückkehr in den Salon.

War es aber nun, daß den jungen Leuten die Erklärungen, welche ſie einander gemacht, auf dem Geſichte zu leſen waren, oder daß der Major in der Art, wie ſich ihre Hände immer noch feſt umfaßt hielten, eine Urſache fand, er fing ſeine Neckereien von Neuem an. Nanny, deren bleiche Wangen Beſorgniß erregen konn⸗ ten, verſchlang die Liebenden mit den Blicken.

Robert jedoch war nach dieſem Vorgange ungleich dreiſter als früher, und nachdem er dem Vater einige Worte zugeflüſtert, lächelte derſelbe bedeutungsvoll und ſchwieg. Auf dem Heimwege faßte Robert, ſoweit es ſein Ent⸗ zücken zuließ, einen beſtimmten Entſchluß.

Wir kennen den Charakter des jungen Man⸗ nes zu genau, um dieſen Entſchluß nicht bereits im Voraus zu wiſſen.

Robert trat am nächſten Morgen zu ſeinem Vater, bot demſelben ſeinen Gruß und ſagte: Papa, wie ich Ihnen geſtern andeutete, habe ich eine Bitte an Sie zu richten.

Sprich, mein Junge! ſagte der alte Herr wohlwollend.

Und Robert ſprach, wie es jeder junge Mann in ſeiner Lage und in ſolchen Verhält⸗ niſſen zu einem vertrauten, lieben Freunde, wel⸗

ches der Major ihm war, gethan haben würde, mit dem Feuer der erſten Liebe, mit der Wärme eines Herzens, welches das Glück des ganzen Lebens momentan im Voraus empfindet; er ſprach ſeine Wünſche, ſeine Hoffnungen und ſeine Bitten aus, ohne Ahnung, daß dieſelben eine Bruſt zerriſſen und ein Weſen unglücklich machten, welches nur für ihn lebte.

Nanny war im Zimmer, als er bei dem Major eintrat, und Niemand dachte daran, das Kind vorher zu entfernen. Die großen Augen des Mädchens erweiterten ſich immer mehr, als der Bruder ſprach, und ihre Wangen wurden noch bleicher, als ſie es bereits waren. Als Robert erklärte, wie er ſeine Couſine bereits ſeit dem Tage, an welchem er ſie zum erſten Male geſehen, liebe, ſtand das Mädchen auf und preßte ihre brennende Stirn gegen die Fenſterſcheiben.

Die Antwort des Majors auf das Anliegen ſeines Sohnes war ebenfalls vorauszuſehen.

Du machſt mich mit glücklich durch dieſe Verbindung, mein Sohn! ſagte er. Denn ſeit einiger Zeit war ſie mein Wunſch, und ich werde, ſobald dieſelbe geſchloſſen, ruhig zu Grabe gehen.

Oh, Papa, warum ſchon dies? jetzt müſſen Sie noch recht lange leben, damit ich Gelegenheit habe, mich Ihnen dankbar zu be⸗ weiſen.

Wie's dem Herrn gefällt, entgegnete der Major und drückte dem jungen Manne die Hand.

Es wurde dann zwiſchen Beiden noch ver⸗ abredet, daß ſie in den nächſten Tagen nach Jasmund reiſen wollten, und der Major einen Antrag in aller Form an den Vater des Mäd⸗ chens ſtellen ſolle.

Robert eilte in den Garten, um mit ſeinem Glücke allein zu ſein.

Nanny hatte unterdeſſen den bitteren Kelch, welcher ihr bereitet, mit vollen Zügen bis auf die Neige geleert, und empfand die Wirkungen in dem Maaße, wie ſie ſich bei einem unver⸗ dorbenen, aber leidenſchaftlichen Naturkinde gel⸗ tend machen; ihre Bruſt brannte, ihr Körper fieberte.

Auch ſie ſchlich in den ſchritt die Gänge, welche Glücke wandeln ſah, während ihr Herz zu brechen drohte. Endlich begegneten ſich Beide und Robert erfaßte, ein Lächeln der Zufrieden⸗ heit auf ſeinem Antlitz, die Hand der Schweſter.

Der junge Mann fühlte nicht die Eiſeskälte derſelben, er ſah nicht, wie blaß das Maͤdchen

ſie Robert mit ſeinem

Garten und durch⸗

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