Jahrgang 
5 (1851)
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So verſtrichen die erſten Tage nach Roberts Ankunft, indem dieſer erzählte, die Uebrigen aber zuhörten und bewunderten, wozu ſie auch alle Urſache hatten, und häufig unterbrach der Ma⸗ jor den Vortrag des jungen Mannes dadurch, daß er ausrief:

Robert, mein armer Junge, was haſt Du ertragen müſſen!

In den Augen der Frauen aber ſah man nicht ſelten eine. Thräne glänzen.

Von großem Intereſſe für die Geſellſchaft war indeſſen die Art, wie die kleine Nanny an den jungen Mann gekettet worden, und Con⸗ ſtance, gerührt durch das Unglück des armen Mädchens, bat demſelben im Stillen den leiſen Anflug von Unwillen ab, welchen ſie auf das⸗ ſelbe gehegt hatte. Der Major betrachtete das Kind mit traurigen Blicken.

Gott ſei Dank! ſagte er endlich, ich bin im Stande, auch Dir, wenn nicht die Eltern, ſo doch zeitliches Gut zu erſetzen; Du ſollſt nicht mehr von mir.

Nanny ſchaute ängſtlich zu Robert hinüber.

Dürfte ich mir hierzu auch ein Wört⸗ chen erlauben, lieber Oheim? fragte die Baro⸗ nin von B.

Nun, liebe Nichte?

Ich ſollte meinen, es wäre für Nanny erſprießlicher, wenn ſie mit unſern Töchtern ge⸗ meinſamen Unterricht genöſſe und in ihrer Ge⸗ fellſchaft aufwüchſe.

Ach ja, ach ja, lieber Onkel! unterbrachen die Mädchen ihre Mutter, laſſen Sie Nanny zu uns kommen!

Gemach, gemach, Kinder! wehrte der Major, darüber hat Robert eigentlich zu be⸗ ſtimmen.

Ach, Robert! ſchrieen Alle; nicht wahr, Vetter, Sie laſſen uns die Kleine?

Nanny aber begann heftig zu weinen und warf ſich in Roberts Arme.

Bruder Robert, Bruder Robert, ſchluchzte ſie, ſchicke mich nicht von Dir, laß mich bei

Stille, ſtille, Kinder! rief der Major dazwiſchen, es wäre grauſam, das Mädchen wider ihren Willen von Robert trennen zu wollen!

Ach wie ſchade! bedauerten die Töͤchter des Regierungsraths, warum willſt Du nicht mit uns, Kleine?

Doch kein Zureden half. Nanny weigerte ſich, den Bruder zu verlaſſen, und weinte hefti⸗ ger, wenn man ſtärker in ſie drang.

Schicklichkeitshalber konnte der Baron von B.

nicht noch länger im Schloſſe K. verweilen, doch eine Einladung, welche er bei der Abreiſe an den Major richtete, ward angenommen, und kurze Zeit nachher kutſchirte der alte Herr mit Robert und Nanny nach Jasmund. Darauf hatte Conſtance gehofft, und Robert freute ſich wahrlich, ſeinen Beſuch auf Schloß B. abſtatten zu können.

Bei dem vorhergehenden Zuſammenſein der Verwandten war der Rettung Conſtance's aus einer bedeutenden Gefahr durch Robert nicht gedacht worden. Jetzt geſchah es, und der Ma⸗ jor geſtand, wie er das vor Jahren an Robert gerichtete Dankſagungsſchreiben des Regierungs⸗ raths unterſchlagen hatte. Ihm laſen dafür ſeine Nichten tüchtig die Leviten. Doch end⸗ lich ward verziehen, und Kamenz erlaubte ſich nun manchen Scherz auf den Dank, welchen Conſtance ihrem Retter in der Aufwallung des Gefühls geſpendet hatte. Conſtance und Robert errötheten.

Nun, finden Sie dies nicht in der Ord⸗ nung, lieber Oheim? fragte die erſtere mit einem Blicke auf Robert. Ich gab das Beſte, was ich zu geben hatte.

O gewiß, ja, erwiederte Kamenz. Es kommt nur darauf an, ob Robert die Sache auch ſo anſieht!

Robert's Geſichtsfarbe ſtieg noch um einen Ton höher, und der junge Mann blickte vor ſich auf den Tiſch, als wolle er es verſuchen, mit ſeinen Augen Löcher durch denſelben zu bohren.

Sehen Sie, liebe Nichte, meinte der neckende Major, der Junge ſcheint nicht unſerer Meinung zu ſein!

Jetzt verfärbte ſich Conſtance abermals. Ro⸗ bert aber erbleichte.

Ich bitte Sie, Papa! rief er faſt un⸗ willig.

Sie ſind wirklich grauſam, Oheim! ſagte die Regierungsräthin.

Herr Major, Herr Major! warnte der Baron von B., ſehen Sie ſich vor, daß Sie nicht zuerſt ſtatt zuletzt lachen!

Ei, das wäre! entgegnete Kamenz. Ich habe Luſt, zuerſt und auch zuletzt zu lachen; warten wir ab, was kommt!

Dieſe Neckerei des Majors hatte aber ihr Gutes, denn Conſtance und Robert ſandten ſich während ſeiner letzten Worte noch einen Blick zu und vermeinten Beide, denſelben verſtanden zu haben, ein Beweis, daß er gewiß deutlich und der Ausfluß von gegenſeitigen Sympa⸗ thieen war.