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An und auf der Ste.
Unterdeſſen hatte Robert die kleine Nanny mit mehr Zärtlichkeit, als ſeiner Couſine Con⸗ ſtance lieb war, vom Wagen geholfen, und das ängſtliche Kind wanderte nun ebenfalls, um herzlich bewillkommt zu werden, von Einem zum Andern, bis endlich Mutter Wendten daſſelbe in Beſitz nehmen wollte.
Nanny aber klammerte ſich ängſtlich an ihren guten Bruder und wollte ſich nicht von ihm trennen.
— Laßt ſie, laßt ſie, ſagte Kamenz, das Kind muß ſich erſt beſinnen! und Alle begaben ſich mit der tiefer herabſinkenden Dämmerung, Robert und Nanny in der Mitte, nach dem Schloſſe.
Die Zahl der Perſonen, welche ein Recht hatten, mit in das Familienzimmer zu kommen, und für die auf des Majors Beſtimmung jetzt eine Abendmahlzeit hergerichtet wurde, durfte man eben nicht gering nennen. Es war zu⸗ nächſt der Major, der Regierungsrath, deſſen Gemahlin und Beider Kinder, dann die Wendtſche Familie, bekanntlich neun Köpfe ſtark, und Martha. Zu dieſen kamen nun noch Robert, Nanny und, nicht zu vergeſſen, Valentin.
Als die Baronin v. B. den jungen An⸗ kömmling in dem ungewiſſen Dämmerſcheine er⸗ blickte, fühlte ſie eine heftige Erſchütterung; als ſie ihn aber von dem Glanze, welchen der Kron⸗ leuchter des Zimmers ausſtrahlte, übergoſſen ſahe und deutlich jeden ſeiner Züge, ſeine Augen, ſein Haar, ſeinen Gang erkennen konnte, erſchrak ſie heftig, und bei einem eigenthümlich forſchen⸗ den Blicke, den der junge Mann ihr zuwarf, wäre ſie faſt zu Boden geſunken. Die Regie⸗ rungsräthin glaubte nicht anders, als Franz von M. ſtehe in Perſon vor ihr.
Doch mit der Zeit kehrte ihre Beſinnung wieder bis zur Ueberlegung zurück und ſie ſtellte Vergleichungen an. Robert ſchien ihr höher als Franz gewachſen, ſein Haar heller zu ſein, ſein Auge größer, ſeine Züge weniger kühn, dagegen ſanfter. Doch wenn ſie wieder den Wuchs und namentlich den Gang Beider ver⸗ glich, ſo entſtanden auf's Neue Zweifel, die erſt wichen, wenn ſie an die Altersverſchiedenheit der beiden Männer dachte. Aber welch ein merk⸗ würdiges Gefühl durchtobte ihren Buſen bei dem Anblicke Roberts.
Der Regierungsrath, welcher ſeine Gemah⸗ lin am Arme führte, ſchrieb die zitternde Be⸗ wegung derſelben der Theilnahme ſeiner Gattin an der Freude des Wiederſehens zu; indeſſen fragte er:
— Biſt Du unwohl, Hedwig?
— Nein, Alfred, doch eigenthümlich erregt.
Der Regierungsrath lächelte; es ging ihm ſelbſt nicht beſſer.
Später, als Beide allein waren, ſagte die Baronin, nachdem ſie längere Zeit ihren Ge⸗ danken nachgehangen:
— Alkfred, ich gebe zwar nicht viel auf Ah⸗ nungen, und das offene Geſicht unſeres Couſins ſollte eher das Gegentheil weiſſagen; aber ſo oft ich ihn anblicke, ſcheint es mir, als ſei ihm das Unglück auf der Stirne zu leſen; ich fühle mich beklommen in ſeiner Nähe.
Ihrem Gemahl die wahre Urſache ihrer Unruhe zu geſtehen, wagte ſie nicht. Sie war ſichtlich angegriffen und leidend.
XXXVIII. Die Liebenden.
Am nächſten Morgen kam zuerſt die Reihe des Staunens an Robert, denn kaum graute der Tag, als auch ſchon der Major bei ihm erſchien, um ſeinen Sohn mit den Vorgängen bekannt zu machen, welche ſich während ſeiner Abweſenheit zugetragen und die ihn in einen reichen Erben verwandelten; ebenſo ihm auch das Verwandt⸗ ſchaftsverhältniß zu dem Regierungsrath aus⸗ einanderzuſetzen.
Dieſe Mittheilungen nahmen mehrere Stun⸗ den fort, hatten indeſſen ihr Ende erreicht, als das Frühſtück, welches wiederum in Geſellſchaft eingenommen wurde, aufgetragen war.
Die Unterhaltung während deſſelben ward bereits viel lebhafter und ungezwungener als geſtern geführt, ſelbſt Nanny ſah ganz dreiſt aus ihren großen blauen Augen um ſich.
Nach dem Frühſtück aber begann für Robert ein Geſchäft, dem er ſich mit größter Aengſtlich⸗ keit zu entziehen ſuchte. Doch ſein Sträuben half nichts, er mußte mit der Erzählung ſeiner Erlebniſſe den Anfang machen. 18
Die Lebendigkeit, geweckt durch die eigene Erinnerung, mit welcher Robert vortrug, machte einen bedeutenden Eindruck auf ſeine Zuhörer, und dieſelben fühlten ſich bei gewiſſen. Vorgän⸗ gen tief ergriffen. Ja, die Baronin vergaß mit⸗ unter ſogar ihre Umgebung und die verfloſſene Zeit, indem ſie ſich vollſtändig in ihre Jugend⸗ jahre zurückverſetzt fühlte. Conſtance war von der Erzählung des jungen Mannes ganz hinge⸗ riſſen.
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