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An und auf der See.
die Feier des Wiederſehens noch feierlicher zu machen, dieſelben einladen zu laſſen. Wendt billigte dieſen Entſchluß vollkommen, und bald ſprengte ein berittener Bote auf dem Wege nach Jasmund davon.
Dieſe ließen auch nicht ſehr lange auf ſich warten, denn der Name Robert übte auf ein gewiſſes Perſönchen, die durch ein uſurpirtes Recht viel in der Familie galt, eine magnetiſche Kraft aus; überdem aber hatten auch Alle den biedern, alten Herrn lieb gewonnen, und die Einladung deſſelben konnte nur angenehm ſein.
Mit ſeinen Gäſten ging nun der Major Roberts Poſt nochmals durch und die Bewun⸗ derungen und Berathſchlagungen begannen auf's Neue. Beſonders ward nun ſeiner Begleiterin vielfach gedacht und die Nichten ergingen ſich in Vermuthungen über Alter, Ausſehen, Größe und andere Eigenſchaften derſelben, wobei Con⸗ ſtance indeſſen mitunter die Naſe rümpfte, denn Robert hatte die Jahre ſeines Schützlings nicht genau angegeben, und ein natürliches Gefühl ſagte dem jungen Mädchen, daß Nanny leicht ihre Rivalin werden könne.
Jedoch ſpazierte Conſtance regelmäßig drei Mal des Tages bis zu einer auf dem Wege nach Bergen belegenen Anhöhe, um eine weitere Ausſicht nach dem letztgenannten Orte hin zu gewinnen, und ſagte jeden Abend zu dem Groß⸗ Onkel:
— Morgen kommt er ganz gewiß, lieber Oheim.
Es verging indeſſen noch eine ganze Woche, bevor Robert anlangte. In dieſer aber legte er die Reiſe von Hamburg bis Stralſund auf dem Landwege zurück, beſuchte in Stralſund den Kapitain Bökenhagen, oder vielmehr, da er den⸗ ſelben nicht antraf, deſſen Familie, und fuhr über den Gellen, um auf der alten Fähre den Poſt⸗ wagen zu beſteigen.
Robert langte in Bergen an und ſchritt mit klopfendem Herzen der Straße und Behauſung, in welcher ſein Adoptiv⸗Vater wohnte, zu. Wohnte?— Robert hatte nirgend zu fragen gewagt, ob der Major noch lebte, er wollte für den Fall, daß er ſagen mußte: gewohnt hatte, und der alte Herr ſchon dahingegangen wäre, ſo lange als nur irgend möglich die Hoffnung in ſich erhalten, denſelben umarmen zu dürfen.
Seine fünfjährige Abweſenheit hatte in dem Orte Vieles verändert und derſelbe war ihm faſt ſo unkenntlich geworden, wie er den ihm begegnenden früheren Bekannten. Der junge Mann redete Niemand an, denn der Erſte, dem er ſich als Robert Wendt zeigen wollte, ſollte
ſein Vater ſein, und ſo ſchritt er, die über die ſonderbare Bauart des Ortes und ſeine ſteilen Straßen ſtaunende Nanny mit ſich fortziehend, ſchnell weiter.
Robert erreichte das Haus; aber wer malt ſeinen Schreck, als ein fremdes Geſicht ihm ent⸗ gegentrat und erſtaunt den jungen Mann, ſo wie ſeine Begleiterin, betrachtete. Der junge Seemann eilte ſchnell wieder hinaus, denn von einem Fremden wollte er keine andere Antwort, als die erhaltene, daß der Major hier nicht mehr wohne. In ſeiner erſten Ueberraſchung dachte er nicht daran, daß der Major eben ſo gut auch verzogen ſein könne, ſondern ihm ſtand nur der Tod des Adoptiv⸗Vaters vor Augen.
Da fiel ihm Valentin Muͤller ein und er ſchritt die Straße hinauf, um bei dieſem Er⸗ kundigungen einzuziehen.
Valentin war noch gerade ſo krumm und ſo vertrocknet, wie ehedem; die alte Mumie be⸗ ſchäftigte ſich vor ſeinem Hauſe mit einem Wa⸗ gen, als die Reiſenden daſelbſt eintraten. Daß dieſelben zu ihm wollten, ſah er bald, und was noch mehr war, er erkannte auch Robert.
— J mein Sirl rief er, Herr Robert, ſind Sie glücklich da? Na nu aber der Alte, dieſe Freude!
Valentins Worte waren ein wahres Be⸗ lebungsmittel für Robert, und der alte Burſche konnte kaum ſo ſchnell antworten, wie der junge Menſch jetzt fragte. Als Robert Alles erfahren, warf er einen dankbaren Blick zum Himmel. Wie ſo anders, als er es dachte, war Alles. Für dies Mal hatten ihn ſeine böſen Ahnungen betrogen.
Jetzt indeſſen kam die Reihe an Valentin, und er ſtellte nicht minder zahlreiche Fragen an den Seemann, als dieſer erſt an ihn. Endlich aber nöthigte er ſeine Gäſte in ſein, einer alten Kirche oder Burg ähnliches Haus, welches ge⸗ wiß viele der Leſer, welche Rügen und Bergen beſuchten, noch kennen werden, und ſeine Haus⸗ ehre ſetzte ihnen ein Paar Satten Milch vor, die ſie ſich trefflich munden ließen.
Robert hatte zwar die Abſicht, Poſtpferde zu nehmen, doch Valentin gab es nicht zu.
— Ich fahre! rief er, und ſollte es meine letzte Tour ſein!
Nach einer halben Stunde kutſchirte man, ſo ſchnell es nur Valentins dürre Mähren erlaub⸗ ten, dem Schloſſe K. zu.
Die Bewohner des letzteren faßten bereits ernſtliche Beſorgniſſe, als ſie einen Tag nach dem andern vergehen, aber an keinem Robert anlangen ſahen, und der Major glaubte nicht


