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An und auf der Ite.
hatte ſeine Schuldigkeit gethan und die Recht⸗ lichkeit des Anſpruchs ſeines Klienten vollſtän⸗ dig nachgewieſen.
Er hatte die Richter ferner überzeugt, wie es nur ein Akt der Billigkeit ſei, den Major ſofort in den Beſitz ſeines Eigenthums zu ſetzen, und ſo war denn der alte Herr in die Burg ſeiner Väter eingezogen, um deren Nachlaß vor⸗ läufig ſtatt des dazu bisher beſtellten Beamten zu verwalten. Ihm folgten natürlich Wendt's auf dem Fuße, und der alte Fiſcher ward, nach⸗ dem das Erbe dem Major endlich wirklich über⸗ antwortet worden, deſſen erſter Verwalter.
Aber während dieſer Zeit trat nun auch ein bedeutender Umſchwung in den bisher umlau⸗ fenden Gerüchten ein, und ſo viel auch böſe Zungen ſich anſtrengten, den alten Herrn immer von Neuem zu verleumden, die Wahrheit und ſeine Rechtlichkeit machten alle Verunglimpfun⸗ gen zu nichte, und namentlich ſein heftigſter bis⸗ heriger Gegner bekam eine andere Meinung uͤber den Major.
Der Regierungsrath fiel aus den Wolken, als er endlich klar einſah, daß der alte Offizier ſchändlich betrogen, als er nicht mehr daran zweifeln konnte, daß das Gerede über ſeinen anſtößigen Lebenswandel, dem man immer noch in einigen Kreiſen Roberts Entſtehung zuſchrieb, nur eine ſchändliche Verleumdung ſei, und ſei⸗ nem Charakter gemäß beſchloß er, ſofort die Verfolgung ſeiner vermeintlichen Anſprüche auf⸗ zugeben und die Bekanntſchaft des Majors zu ſuchen.
Zu dieſem Zwecke nun langte der Baron eines Tages mit ſeiner ganzen Familie vor Schloß K. an und begab ſich zunächſt allein in die Räume deſſelben, wo er auf Wendt ſtieß, der ihn dem Major meldete.
Kamenz, obwohl vielleicht ein wenig frappirt über dieſen Beſuch, ließ den Regierungsrath ſo⸗ fort eintreten, und eine kurze Unterredung be⸗ wirkte, daß ſich die beiden Männer, welche nur näher bekannt ſein durften, um einander zu ach⸗ ten, verſtändigten. Der Baron ſtellte darauf ſeine Familie vor und Kamenz empfing dieſelbe mit der Herzlichkeit, die ihm eigen war.
Als aber die Regierungsräthin den Major erblickte, konnte ſie ſich eines leiſen Schauers nicht erwehren; denn es war ihr Vater, den ſeine Unternehmungen zum Selbſtmörder ge⸗ macht hatten, wogegen er der Bruder ihrer Mutter war.
Der Baron v. B. mochte ahnen, was in der Bruſt ſeiner Gemahlin vorging, und über⸗ nahm es, die widerſtrebenden Gefuhle zu beſei⸗
tigen; nach kurzen Komplimenten begaben ſich Alle in das Schloß.
Dem erſten Beſuche des Regierungsraths in K. folgten nun aber bald andere und längere, ſo daß ſich gar bald ein eigentlich familiäres Verhältniß einſtellte, und endlich waren Alle in die Verhältniſſe des Majors hinſichtlich ſeines Adoptivſohnes eingeweiht, ſowie mit ſeinen Wünſchen bekannt; ja noch mehr, man theilte dieſelben und reiſte ſtets mit der an den Tag gelegten Hoffnung ab, beim nächſten Beſuche in K. entweder Nachricht von Robert, oder ihn ſelbſt anzutreffen.
Solches war auch am verfloſſenen Tage ge⸗ ſchehen, als Wendt eines Morgens ſeinem Herrn die eingegangenen Briefſchaften und Zeitungen überbrachte und ſich dann wieder entfernte. Der Major aber klemmte ſeine Brille auf und be⸗ gann zu leſen.
Die angekommenen Schreiben wanderten in⸗ deſſen eins nach dem andern, ohne ganz geleſen zu ſein, auf die Seite, bis endlich dem alten Herrn ein Brief mit dem Poſtſtempel„Ham⸗ burg“ in die Hände fiel. Die Handſchrift der Adreſſe ſchien ihm bekannt zu ſein, eine hoffende Ahnung ſtieg in ihm auf und ſchnell erbrach er das Siegel, um zuerſt nach der Unterſchrift des gewaltig langen Schreibens zu ſehen.
— Viktoria! rief er, in die Hände ſchlagend, und begann zu leſen.
Doch der Ausdruck ſeiner Geſichtszüge ward immer ernſter und zuletzt faſt ängſtlich; plötzlich ſprang er auf und rief, die Brille von der Naſe reißend:
— Da haben wir's!
— Da haben wir's, wiederholte er noch⸗ mals und ſchritt, ſo raſch es ſeine kranken Beine erlaubten, zur Klingelſchnur.
— Johann! rief er, als Wendt und Martha auf das gewaltige Läuten hereinſprangen. Ruft den Johann, er ſoll ſogleich anſpannen. Wendt, ich ſage Euch,'s iſt ihm ein Unglück begegnet, und ein ſehr großes Unglück!
— Aber wem denn—?
— Fragt nicht, macht nur, macht, wir rei⸗ ſen gleich ab; Sie muß auch mit, Martha; doch nein, Sie kann hier bleiben. Ich weiß nicht, wie mir der Kopf ſteht!
Wendt und Martha aber wußten nicht, was ſte hiervon denken ſollten.
Unterdeſſen war auch Johann hereingekom⸗ men und fragte:
— Was befehlen der Herr Major?
— Anſpannen, Menſch, ſchnell, ſchnell!
Johann ſchüttelte ebenfalls ſein Haupt ver⸗


