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Doch, neue Hoffnung, neue Befürchtungen. Die aufgeſprungene Seebrieſe trieb nicht dem muthmaßlichen Lande zu. Zermalmt von dem fürchterlichen Gedanken, daß das Boot daran vorübertreiben könne, entſank dem jungen Manne der Muth. Vergeblich verſuchte er, der Scha⸗ luppe, die Hände als Ruder gebrauchend, irgend eine Richtung zu geben.
Durch einen Blick nach dem Lande auf's Neue ermannt, warf er ſeine Kleidung ab und ſprang in das Waſſer.
— Robert! Robert! ſchrie die Kleine, ihre Händchen ausſtreckend. Der Kopf des jungen Seemannes tauchte am Spiegel auf.
— Sei ſtille, mein Kind, tröſtete er das Mädchen, ich verlaſſe Dich nicht! und verſuchte ſchwimmend dem Fahrzeuge eine beſtimmte Rich⸗ tung zu geben. Es gelang. Trotzdem mußte er ſein Vorhaben bald aufgeben, denn der Wind wurde heftiger und ſeine Kräfte waren nicht mehr ausreichend zu ſolcher Anſtrengung. Zit⸗ ternd zog er die Kleidungsſtücke wieder an.
Das Meer färbte ſich dunkler und die Wogen⸗ kämme ſchäumten, die Atmoſphäre ward dichter und das Land verſchwand wieder. Brauſend heulte der Sturm daher.
— Es iſt vorbei! ſagte Robert, ſich auf den Boden der Schaluppe ſetzend.
— Sterben? murmelte er, die Kleine an ſich drückend. Gott, welche Qual, ſo aus dem Leben zu ſcheiden!
Aengſtlich hingen die Blicke der Kleinen an ſeinen Lippen.
— Verſuche zu ſchlafen, Nanny, ſagte Ro⸗ bert und ſchloß ebenfalls die Augen.
— Bin ich dann artig? fragte unſchuldig die Kleine, glücklich, ein Wort verſtanden zu haben. Sie entſchlummerte wirklich.
Robert ſtarrte gedankenlos vor ſich hin. Das Zittern ſeiner Glieder hörte auf, zugleich aber auch jedes Gefühl; eine vollkommene Le⸗ thargie trat ein.
Nach einigen Stunden erwachte das Mäd⸗ chen und blickte verwundert um ſich. Die Arme trat aus einem kindiſch glücklichen Traume wie⸗ der in die Wirklichkeit.
Roberts Schwäche hatte unterdeſſen ſo zuge⸗ nommen, daß er kaum noch im Stande war, ſich zu erheben; doch ein freudiger Schreck durch⸗ bebte ihn, als er die Küſte auf ungefähr eine halbe Seemeile vor ſich und das Boot darauf pereiben ſah; der Wind mußte umgeſprungen
ein. „Die jetzt folgenden Minuten waren faſt die fürchterlichſten der ganzen kürzlich durchlebten
—
Zeit. Mit Spannung verfolgte Robert den Gang der Wellen und den Zug des Windes, indem er ſich faſt die Augenſterne zerdrückte, um auf der hoch und felſig erſcheinenden Küſte Et⸗ was zu entdecken.
Doch der Wind blieb ſtät und bald hörte man das dumpfe Brauſen der Brandung durch den Sturm. Neue Sorgen tauchten auf. War es möglich, durch dieſelbe zu gelangen?
So nahe dem Lande, kannte jedoch Robert keine Furcht mehr. Sowie die wild zerriſſene Küſte deutlich erkennbar und die unregelmäßigen, brandenden Wogen ſeinem Auge ſichtbar gewor⸗ den, ſchickte er ſich an, das rieſige Unternehmen zu wagen. Er band die Kleine mit ihren Tü⸗ chern auf ſeinem Rücken feſt und wartete ſo den Zeitpunkt ab, an welchem die Wellen das ge⸗ brechliche Fahrzeug umwerfen mußten. Die überſtürzenden Wogen mehrten ſich.
Jetzt———! Ein gewaltiger Waſſerberg ſchwoll hinter dem Spiegel des Bootes an, der Kamm deſſelben begann ſich zu kräuſeln, nahm an Ausdehnung und Höhe zu, Schaumflocken flogen durch die Luft. Plötzlich bildete ſich eine Wölbung und mit donnerähnlichem Getöſe ſtürz⸗ ten die Gewäſſer herab. Stockfinſtere Nacht um⸗ gab die Beiden; Nanny ſchrie laut auf. Robert ſtürzte ſich kopfüber in den Strudel.
Nach fünf Minuten ſtand er mit ſeiner ohn⸗ mächtigen Bürde auf dem ſicheren Strande. Drei Männer kamen auf die Geretteten zu. Es waren Basken.
XXXVII. Robert's Rückkehr.
Waͤhrend ſich ſo die Wege von Franz und Robert kreuzten, während ſo noch ein unſchul⸗ diges Weſen in den von finſteren Mäͤchten ge⸗ zogenen Kreis geworfen wurde, um die Zahl der Opfer, welche das unerbittliche Schickſal verlangte, zu vermehren, und während nicht, wie der Major glaubte, Robert's Leichtſinn oder Nachläſſigkeit daran Schuld hatte, daß er ohne Nachrichten von ſeinem Adoptivſohn blieb, ſon⸗ dern der arme Junge neben den Anſtrengungen des Seemannes noch mit herben Prüfungen und bitteren Leiden zu kämpfen hatte, nahmen die Ereigniſſe daheim einen Verlauf, wie ihn der Major nicht beſſer wünſchen konnte.
Der thätige Sachwalter des alten Offiziers


