Jahrgang 
5 (1851)
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Der Orang-Utang.

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gleich ſuchten eine Menge von Paaren hier Ruhe und Erquickung. Es war ein wirres Gedränge. Eſtrella eilte raſch vorwärts, ich konnte ihren Arm kaum behalten. Bald hatten wir das Ge⸗ dränge hinter uns und näherten uns den Zim⸗ mern, die an die Verandah ſtießen, jenen bedeck⸗ ten Gang, ohne den kein ſpaniſches Gebäude, das Anſpruch auf Auszeichnung macht, gebaut wird.

Wir ſahen George und Bianca in ein Zim⸗ mer verſchwinden. Eſtrella öffnete die Thür zu einem andern. Bis vor wenigen Minuten noch hatte es mir geſchienen, als ob der junge Of⸗ fizier und ſein eiferſüchtiger älterer Genoſſe uns folgten. Aber jetzt hatten ſie uns wahrſchein⸗

lich aus dem Geſicht verloren.

Das Zimmer, deſſen Thür Eſtrella öffnete, war nicht erleuchtet, alſo wahrſcheinlich nicht für die Gäſte beſtimmt. Doch erhielt es einiges Licht von einer großen Laterne, die an der Außenwand des Hauſes, in der Nähe des Fen⸗ ſters angebracht war. Das einfallende Licht er leuchtete jedoch das kleine Zimmer nur theilweiſe. Im erſten Augenblick zögerte ich einzutreten. Ein halbdunkles Zimmer, eine ſchöne Spanierin und ein alter, eiferſüchtiger Spion das war ſehr intereſſant, aber auch ſehr gefährlich, in mehr als einer Beziehung.

Donna Eſtrella hielt immer noch meine Hand feſt und im Augenblick darauf befand ich mich neben ihr auf einem niedrigen Fauteuil.

Ah, hier iſt es reizend! flüſterte ſie und fächelte ſich Kühlung zu.

Reizend, gewiß! erwiederte ich, noch zweifelhaft, wie ich dieſes Abenteuer auffaſſen ſolle. Aber wenn man uns bemerkt hat!

Deſto beſſer! antwortete ſie. Fürchten Sie ſo ſehr, mit einer Dame allein zu ſein? Ich hätte Ihnen mehr Muth zugetraut!

O, an Muth fehlt es mir nicht! rief ich. Es iſt auch nicht meinetwegen

Seien Sie unbeſorgt um mich! antwor⸗ tete ſie. Aber Sie haben Recht, wir duͤrfen hier nicht lange bleiben. Wiſſen Sie, weshalb ich Sie hierher geführt habe?

Auf mein Wort, nein, erwiederte ich.

Ich will Rath, Beiſtand und Hülfe von Ihnen! ſagte ſie raſch.

und ich will Ihnen Alles gewähren! Aber worin? fragte ich.

Sie haben die alte ausgetrocknete Olive bemerkt, die an der Wand ſtand und uns mit ſo eiferſüchtigen Blicken beobachtete? fragte ſie.

Gewiß! Was geht er Sie an?

O, ſehr viel, antwortete ſie. Ich ſoll ſeine Frau werden und ich habe keine Luſt dazu.

So ſagen Sie nein! rief ich lachend. Weshalb machen Sie Umſtände?

Ach, ich bin in einer ſehr unglücklichen Lage! ſeufzte ſie, und jetzt nahm ihre Stimme einen wehmüthigen Klang an. Don Gonzalez, der Vater Bianka's, iſt mein Vormund, mein Freund, mein einziger Beſchützer, und er wünſcht, daß ich Don Fernando, dieſen alten ausgedörr⸗ ten Stockfiſch, heirathen ſoll.

Goͤddam! rief ich. So ſagen Sie Don Gonzalez, daß Sie keine Luſt dazu haben!

Das geht nicht an! erwiederte ſie. Ich muß mich fügen. Er weiß, daß ich Don Fer⸗ nando nicht leiden kann, aber er beſteht auf ſei⸗ nen Willen. Sie und Ihr Freund, Sie ſind die Einzigen, die mir und Bianca helfen können!

Wir? rief ich ganz erſtaunt. Alſo Donna Bianca bedarf auch der Hülfe?

Cben ſo ſehr, als ich! erwiederte ſie. Auch ſie mag Don Juan, den jungen Offizier, nicht leiden, und ihr Vater beſteht auf dieſe Verbin⸗ dung, die ihr durchaus nicht angenehm iſt.

Aber Don Juan iſt ein ſehr ſchöner Mann! warf ich ein.

Sie finden das? Ich auch, aber Bianca findet es nicht! antwortete ſie. Sie hat ſich in den Kopf geſetzt, lieber in ein Kloſter zu gehen, als Don Juan zu heirathen.

Hm! Und wahrſcheinlich ſpricht ſie jetzt darüber mit meinem Freunde! ſagte ich.

Wahrſcheinlich, oder vielmehr ganz be⸗ ſtimmt! antwortete ſie.

Wir ſchwiegen Beide eine Minute lang. Ich dachte daran, daß mein heißblütiger Freund, wenn er eben ſo wie ich allein mit der ſchönen Bianca in einem dunklen Zimmer ſaß, die warme,