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der Inſel Mindanao geſehen. Die ſchönen Spa⸗ nierinnen waren in den feinſten Toiletten, um nichts weniger kokett, als die ihrer Schweſtern in Madrid, wenn auch vielleicht von etwas äl⸗ terem Datum, und die Augen ſprühten hier ſo feurig, die Lippen lächelten ſo verführeriſch, wie auf den ſchönen Fluren von Andaluſien.
Wir tanzten den Contredanſe, George und ich vis-à-vis. Unſere beiden Damen waren die ſchönſten im ganzen Saal, die Tochter un⸗ ſeres Wirthes, Bianca, und eine Freundin von ihr, Eſtrella. Bianca tanzte mit George, Eſtrella mit mir. Man kann ſich nichts Graziöſeres denken, als die Bewegungen der beiden Spa⸗ nerinnen in dieſem Tanze, dem ſie einen ver⸗ führeriſchen Reiz verliehen, wie ich ihn nie in meinem Vaterlande geſehen. Das war kein ſteifer Tanz mehr, das war ein Schmiegen und Biegen, ein Schwanken, ein Schweben und Hin- und Herbiegen, als ob ein glänzender Vogel ſich auf einem ſchwachen Zweige ſchau⸗ kelt. Wir wurden unwillkürlich mit fortgeriſſen. George tanzte zum Entzücken, und mir ſelbſt kam es vor, als hätte ich Flügel an den Füßen.
Wir ſpielten eine Intrigue, oder vielmehr, wir waren in eine Intrigue mit hineingezogen worden. Bianca und Eſtrella hatten uns ſelbſt zu dem Tanze aufgefordert, wir hatten einwil⸗ ligen müſſen. Die Folge davon war, daß ſich unter den Zuſchauern an der Wand des Saales zwei Herren befanden, die ſonſt ſchwerlich auf das Vergnügen des Tanzes verzichtet hätten. Der Eine war ein ſchöner, junger Mann mit einem ächt ſpaniſchen Geſicht, ein ſpaniſcher Offizier, der Bräutigam Bianca's, oder ihr Geliebter. Der Andere hatte die Grenze des Mannesalters bereits erreicht oder überſchritten, wenigſtens ſeinem Ausſehen nach. Er ſchien zwiſchen vierzig und fünfzig Jahr alt zu ſein, und auch er trug die Züge eines ächten Spa⸗ niers. Aber ſie waren eingefallen, häßlich, mager, abgelebt. Man erkannte auf den erſten Blick in ihm den reichen Mann, der ſich durch ſeine Ausſchweifungen ruinirt hatte.
Dieſe beiden Herren verwandten keinen Blick von uns, und dieſe Blicke waren durchaus nicht
Orang-Altang.
von der freundlichſten Art. Der Grund war einfach genug. Bianca war von dem Jüngeren, ihrem Geliebten, und Eſtrella von dem Aelte⸗ ren, ihrem Anbeter, zum Contredanſe engagirt worden. Sie hatten es abgelehnt und uns ge⸗ wählt. Der junge Offizier ſchleuderte wüthende Blicke auf George. Der Aeltere hatte fortwäh⸗ rend ſein ſtechendes Auge auf mich gerichtet. Aber George kümmerte ſich nicht darum— er tanzte. Und auch ich warf nur in den Pauſen einzelne beobachtende Blicke zu den Beiden hin⸗ über.
Jetzt war der Tanz vorüber. Eſtrella hing ſich an meinen Arm, George führte Bianca. Die Wangen der beiden Spanierinnen glühten, ihr Buſen wogte. Sie wehten ſich Kühlung zu mit ihren Fächern, und hinter den Fächern blitz⸗ ten ihre feurigen Augen hervor. Sie waren Beide bewundernswürdig ſchön!
George ſchien mir Feuer und Flamme zu ſein. Ich ſah es ihm an, daß die Blicke der ſchönen Bianca in ſeinem leicht erregbaren Her⸗ zen gezündet hatten. Auch mein Blut war et⸗ was in Wallung— offen geſtanden. Ich war dreiundzwanzig Jahr alt, Eſtrella ſchön, wie ein Engel, liebenswürdig, wie eine Grazie, ver⸗ führeriſch, wie es nur eine Spanierin ſein kann.
— Monſtieur Harry, ſagte ſie mir in dem wohlklingendſten Franzöſiſch, es iſt entſetzlich heiß hier in dem Saale. Führen Sie mich in ein Nebenzimmer.
— Mit Vergnügen, Sennora, antwortete ich ihr. Aber ich geſtehe, daß ich hier nicht Beſcheid weiß. Sie müſſen ſchon meine Füh⸗ rerin ſein.
— Dann kommen Siel rief ſie, und wäh⸗ rend ich den leichten Seidenſchawl um ihre wo⸗ genden Schultern ſchlang, zog ſie mich mehr mi ſich fort, als ich ſie führte.
George war mit Bianca ſchon voraus. E ſchien eine ähnliche Bitte an ihn gerichtet haben. Wir verließen den Saal und vertie! uns in ein Labyrinth von anſtoßenden kler Zimmern, in denen die älteren Herren Damen ſpielten und plauderten. Mit uns
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