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auf das man Brabant niedergeſetzt hatte. Er ſah, wie dem Hauptmann die beiden Finger, mit denen er den Bürgereid geſchworen, abgehauen, wie ihm mit einer glühenden Zange Stücke Fleiſch aus den Armen und aus der Bruſt ge⸗ riſſen wurden. Es rührte ihn nicht. Er ſah, wie man Brabant auf den Schlachttiſch legte, wie der Henker ihn auf eine ſcheußliche, unnenn⸗ bare Weiſe verſtümmelte, wie er ihm langſam mit einem eiſernen Hammer auf den Bruſtknochen ſchlug und ihm endlich das Herz aus dem Leibe riß und dem Hauptmann damit in's Geſicht ſchlug. Keine Miene in Broizems Geſicht ver⸗ kündete, daß er Mitleid oder Reue empfinde.
— Unſer Feind iſt todt! flüſterte Kaufmann dem Bürgermeiſter ins Ohr. Wir ſind wieder die Herren von Braunſchweig. Das Haupt der Sündenbrut iſt gefallen. Ruhe und Ordnung walten wieder!
— Und jetzt, Bürger von Braunſchweig, tönte plötzlich Brabants Stimme, rein und klar wie ein Geiſterhauch aus dem ſterbenden Kör⸗ per herüber, jetzt, da ich ſterbe und meiner Qua⸗ len ledig bin, jetzt ſage ich Euch, daß ich un— ſchuldig geweſen an Alle dem, was ich began⸗ gen haben ſoll, daß ich es treu und redlich mit der Stadt gemeint und nie mit ihren Feinden im Bündniß geſtanden habe. Es wird eine Zeit kommen, in der Ihr dies anerkennen werdet. Meine Feinde aber, die ſehr wohl wiſſen, wie unſchuldig ich gelitten habe, frohlocken zu früh. Mich konnten ſie tödten, aber nicht das, was ich gethan. Später werden Andere kommen, die mein Werk wieder aufnehmen und ſie werden glücklicher ſein, als ich. Dann wird auch der Name Brabants ehrenvoll und mit Thränen ge⸗ nannt werden. Meiner lieben guten Stadt Braunſchweig aber wünſche ich Glück und Friede bis in alle Zeiten. Amen!
Es rieſelte ein Schauer durch jedes Gebein, als die letzten Laute dieſer Stimme, die wie aus der Luft herabzuſchweben ſchienen, verklungen waren. Die Henker ſelbſt erſtarrten, Thränen ſtürzten aus ihren Augen. Broizem und der Magiſter waren bleich geworden.
In dieſem Augenblick ſtürzte ein ſchwarzge⸗ kleidetes Weib mit fliegendem Haar, ein Kind auf ihren Armen tragend, mitten auf den Platz. Sie ſtreckte die rechte Hand aus, wie zum Schwur. Sie war anzuſchauen, wie ein Geſpenſt und die Menge wich ſcheu und entſetzt vor ihr zurück.
— Ja, ja! rief ſie mit gellender Stimme, die weit hinausklang über den weiten Platz, ja, ja, er iſt unſchuldig geweſen, Ihr habt einen Unſchuldigen, Euren Bruder, Euren beſten Freund gemordet! Der Lüge und dem Verrathe iſt der
beſte Mann in Braunſchweig zum Opfer gefal⸗ len! Sein Blut komme über Euch und Eure Kinder!
Bei dem letzten Worte, das ſie mit über⸗ menſchlicher Anſtrengung aus der Bruſt hervor⸗ geſtoßen, ſtürzte Marie von Broizem, denn ſie war es, zu Boden. Einige Umſtehende, unter ihnen eine hohe, ſchlanke, weinende Frau, die ebenfalls in tiefe Trauer gehüllt war, ſprangen herbei und trugen ſie fort. Die trauernde Frau, es war Adelheid, des gefangenen Depenau Weib, nahm das weinende Kind auf ihre Arme und ging langſam, mit geſenkten Augen hinter den Trägern her, die Marie nach Brabants Woh nung geleiteten. Auch Broizem und der Ma— giſter waren jetzt vom Söller verſchwunden. Die Henker aber theilten Brabants Leichnam in fünf Stücke und trugen dieſe in eiſernen Kör⸗ ben nach den Thoren, um ſie dort zur Warnung
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auszuſtellen. —
Vier Wochen darauf lag Marie von Broi⸗ zem in dem Zimmer, das Brabant früher be⸗
wohnt, auf einem niedrigen, weichen Lager. Die Vorhänge an den Fenſtern waren herab⸗ gelaſſen, ſo daß eine trübe Dämmerung in dem ganzen Zimmer herrſchte.
Marie ſchien zu ſchlafen. Nur zuweilen be⸗ wegten ſich ihre bleichen Lippen. Ihre Augen waren feſt geſchloſſen. Ihr Geſicht war blaß und eingefallen, wie das einer Leiche. Niemand hätte ſie wiedererkannt.
Neben ihrem Haupte ſaß Adelheid, den Blick unverwandt auf ihre Freundin gerichtet. Auch ſie war in den letzten Tagen Wittwe geworden; auch Depenau hatte ſeine Freundſchaft für Bra⸗ bant und ſeine Ueberzeugung mit dem Tode ge⸗ büßt. Auf ihren Armen hielt ſie Mariens Töch⸗ terlein, das nicht mehr lächelte und deſſen rothe Wangen ſchnell verblüht waren. Neben ſeiner Mutter, auf einem niedrigen Stühlchen, ſaß der kleine Max und hielt die Augen unverwandt bald auf ſeine traurige Mutter, bald auf das Kind in ihren Armen und bald auf die blaſſe Frau auf dem Krankenlager gerichtet.
— Adelheid, flüſterte plötzlich Marie wie im Traume, und Adelheid bog ſich über ſie, um ihre matte Stimme zu vernehmen. Apdelheid, Du wirſt für mein Kind ſorgen, wenn ich ſterbe, nicht wahr? Verſprich mir's! Verlaß es nicht, wenn Du nach Hannover ziehſt.
— Sei ruhig, meine Freundin! flüſtet Adelheid. Gewiß, ich verſpreche es Dir, w ich es Dir ſchon ſo oft zugeſagt. Aengſtz Dich nicht deshalb. Du wirſt nicht ſterbe Ich will ſterben! flüſterte Marie.
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