Jahrgang 
1 (1851)
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Ein höhniſches, entſetzliches Lächeln zuckte um die Lippen des unglücklichen Mannes.

Ich habe Alles geſtanden, was ich nie gethan, flüſterte er. Als ich noch Kraft hatte, 95 da leugnete ich und ſagte die Wahrheit. Aber 1 als alle meine Glieder verrenkt, alle meine Ge⸗ beine zerbrochen waren, da verließ mich die Kraft und mein Bewußtſein. Ich ſah mich ſelbſt zer⸗ malmt von den wüthendſten Schmerzen, von Schmerzen, die Niemand begreifen kann, der ſie nicht erduldet. Ich ſah, wie meine Feinde hohn⸗ lachend und berauſcht an ihrem Tiſche ſaßen, wie ſie jubelten und in wahnſinniger Luſt mit den Bechern anſtießen, während ich in den Rol⸗ len hing und aus einer Ohnmacht in die an dere ſank. Da verließ mich der Glaube, der bis jetzt mein Leben geleitet, der Wahnſinn faßte mich. Ich glaubte Alles gethan zu haben, weſ⸗ ſen man mich beſchuldigt, ich ſagte zu Allem Ja und lachte dabei. Man hörte wenigſtens auf, mich länger zu foltern. Man ließ mich in Ruhe, Weiter wollte ich nichts.

Marie ſchwieg. Keine Thräne glänzte in ihrem Auge. Ihr Blick war ſtarr und todt.

Ich habe Alles verſucht, Dich zu retten! ſagte ſie. Aber Deine Freunde ſind im Gefäng⸗ niß, auch Depenau iſt gefangen worden. Ich vermochte nichts. Zu meinem Vater ging ich; er hörte mich nicht an. Der Herzog Heinrich Julius ſelbſt kam verkleidet in der Nacht zu mir

und beſprach ſich mit mir über Deine Rettung. Er meint es gut mit Dir. Er hat Schreiben über Schreiben an den Rath gerichtet, und ihn vor Uebereilung gewarnt. Aber es half nichts. Man glaubte um ſo mehr, daß Du mit dem 1 Herzog im Bündniß geſtanden. Alles, Alles war vergebens.

Ich wußte es! flüſterte Brabant. Ich danke Dir. Es iſt Alles vorbei. Denke daran, Marie, daß wir eine kurze, aber glückliche Zeit verlebt haben und tröſte Dich. Ich weiß es, mein⸗blutiger Tod wird ſchöne Früchte tragen. Es wird eine Zeit kommen, in der man mir Gerechtigkeit widerfahren laſſen und mein Schick⸗ aaͤal an denen rächen wird, die es herbeigeführt. Fräſte Dich, mein Weib. Ich habe Dich ge⸗

ebt über Alles. Dir und der Freiheit war mein Leben gewidmet. Tröſte Dich und erziehe 4 mein Kind zu Deinem Ebenbilde!

Marie antwortete Nichts. Sie ſchüttelte

hne daß es Brabant bemerkte, das Haupt.

6 Thür des Gefängniſſes öffnete ſich; der

A eßer rief hinein, daß die Zeit verſtrichen

daß Marie zurückkehren müſſe. Sie ſchau⸗

geſe zuſammen und berührte mit ihren Lippen Iebleichen Mund Brabants.

Das iſt der letzte Kuß, den ich Dir gebe, Hennig! ſagte ſie. Es ſind die kalten Lippen zweier Todten, die ſich berühren. Sei ſtandhaft, Brabant, und klage nicht! Dein Weib wird Deiner würdig ſein, auch im Tode. Lebe wohl, Brabant! Nie iſt ein Weib glücklicher geweſen, als ich, da Du mein warſt! Auch jetzt bin ich glücklich! Denn nichts kann mich zwingen, zu leben ohne Dich! Sei treu bis in den Tod!

Brabant wollte antworten, aber Marie hatte ſich ſchon erhoben. Ihr Geſicht leuchtete gei⸗ ſterhaft. Jede Spur irdiſchen Denkens und Füh⸗ lens war aus ihren Zügen verſchwunden. So ſchwankte ſie zur Thür hinaus.

Eine Stunde darauf wogte eine unabſehbare Menſchenmenge auf dem Hagenmarkte, in deſſen Mitte ein großes Gerüſt aufgeſchlagen war. Die Menge verhielt ſich ziemlich ruhig. Nur ſelten hörte man hier und da ein Wort des Hohnes über Brabant und ſeine Kollegen. Auf den meiſten Geſichtern konnte man mehr Furcht und Beängſtigung, als Racheluſt und Freude erkennen.

Die Ankunft eines dangen Zuges von Büt teln, in deren Mitte man Autor Eimcke und Brabant, der auf einer Sänfte getragen wurde, erblickte, machte auch das leiſeſte Geräuſch ver⸗ ſtummen. Inmitten feierlicher, unheimlicher Stille nahten ſich die Henker dem Gerüſt und ſetzten dort die Sänfte nieder. Dann wurde Brabants Bekenntniß, daß ihm durch die Folter abgepreßt worden, von einem Büttel verleſen und jeden Punkt mußte Brabant noch einmal bejahen. Mit Schaudern hörte die lautloſe Menge ſein Ja! durch die Luft ſchallen. Die Meiſten wußten, daß es ein erpreßtes, ein er zwungenes, das Brabant an Vielem unſchul⸗ dig war.

Auf dem Söller eines Hauſes am Hagen⸗ markt ſtanden während der Zeit zwei finſtere Geſtalten. Es waren Bertram von Broizem und der Magiſter Kaufmann. Sie ſahen ab⸗ wechſelnd auf die Menge zu ihren Füßen und dann wieder auf Brabant, deſſen Ja! kaum zu ihnen herüberdrang. Als das Bekenntniß beendet und Autor Eimcke, der wie Espenlaub zitterte und fortwährend ſeine und der Haupt⸗ leute Unſchuld betheuerte, hingerichtet war, näherte ſich der Magiſter dem regierenden Bürgermeiſter.

Nun, Broizem, ſagte er, habe ich nicht vor Jahren ſchon Recht geh abt? Habe ich nicht vorausgeſehen, wie Alles kommen würde? Die Stunde der Rache iſt da. Unſere Feinde ſind vernichtet!

Broizem nickte mit dem Kopfe und ſah un⸗ verwandten Blickes hinüber nach dem Gerüſt,

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