570 ſchlagen, aus dem er nur die Worte:„Verrä⸗ ther! Schelm! Zauberer!“ unterſcheiden konnte. Es war ihm auch, als ſehe er ein blaſſes Weib, deſſen Züge ihm bekannt waren, bei ſeinem An⸗ — Brabant, ſagte der Herzog mit zitternder blick die Arme ausſtrecken und ohnmächtig nie⸗ Stimme, erzählt Niemandem meine Schande. derſtürzen. Aber das Alles war nur wie ein Ich bereue es tief, was in Prag zwiſchen uns Traum. Für einen Augenblick erwachte er, als vorgefallen und woran dieſes Weib Schuld ge⸗ er eine ſchwere Thür ſich öffnen und Ketten weſen iſt. Ich ſehe Eure Häſcher kommen, raſſeln hörte. Dann fühlte er ſich heftig auf Brabant, ich muß mich entfernen. Aber ſeid naſſe, harte Steine niedergeworfen, er ſchrie auf überzeugt, Brabant, daß Euch in Braunſchweig in wildem Schmerze, und dann war Alles wie⸗ Gerechtigkeit werden ſoll, wenn überhaupt mein der Nacht um ihn. Wort und meine Macht noch irgend Etwas ver⸗— mögen. Ihr ſollt frei werden, und, Brabant, wenn Ihr dann müde ſeid, ferner den Undank Eurer Mitbürger mit anzuſehen, ſo kommt zu mir. So wahr ich Herzog Heinrich Julius bin, Keller der Frohnerei in der Neuſtadt, auf einem Ihr ſollt an mir einen treuen Freund haben. hölzernen Bett eine regungsloſe Geſtalt. Ob⸗ O Brabant, was gäbe ich darum, wenn Ihr gleich der Morgen ſchon angebrochen war, ſo mir zur Seite ſtündet. Ihr habt es geſehen, fiel doch ſo wenig Licht durch das kleine Fenſter wie ich verrathen worden bin. Schramm, den hoch oben an der Decke des Kellers, daß man ich für meinen beſten Freund hielt, er iſt der kaum die Umriſſe dieſer Geſtalt und noch weni⸗ Buhle dieſes Weibes geweſen, auf deſſen Treue ger die Geſichtszüge erkennen konnte. Man ich Felſen gebaut hätte. Brabant, es iſt kein mußte ganz nahe herantreten, dann erſt erblickte leeres Wort: Kommt zu mir! Ich werde Euch man ein todtenblaſſes, längliches Geſicht, in dem zu befreien ſuchen. Jetzt lebt wohl! Ich hoffe, keine Spur von Blut und Leben mehr zu be— ich habe Euch nicht das letzte Mal geſehen! merken war. Die Augen in dieſem Geſichte Der Herzog ritt langſam davon, während lagen ſo tief, daß man ſie nur für ein Paar Brabant traurig das müde Haupt ſchüttelte. Höhlungen gehalten hätte, aus denen die Augen⸗ Gleich darauf hörte er das Jubelgeſchrei ſeiner ſterne ſelbſt mit ihrem Glanz und Leben längſt Feinde. Die Häſcher drangen durch das nie- entfernt ſeien. Da noch dazu die Augenlider drige Gebüſch, in lautes Jauchzen ausbrechend, dieſe Höhlungen ſchloſſen, und da keine Bewe⸗ als ſie den unglücklichen Hauptmann halb ohn⸗ gung an irgend einem Theile der Geſtalt zu mächtig zu ihren Füßen ſahen. bemerken war, ſo mußte Jeder auf den erſten Ruhig ließ ſich Brabant binden. Da die Augenblick glauben, daß er einen Leichnam vor Wächter darüber lachten, als er ihnen ſagte, ſich habe, bis ihn vielleicht ein leichtes, kaum daß ſein Fuß gebrochen ſei, ſo äußerte er auch merkliches Zucken der Augenwimpern oder der kkeinen Schmerzenslaut mehr, ſelbſt dann nicht, Lippen, oder ein leiſer, qualvoller Seufzer eines 1 als ſie ihn auf ein Pferd ſetzten und den ge⸗
Nur der flüchtige Gedanke durchzuckte ihn, daß ein böſes Weib ihren gerechten Lohn empfangen habe. Endlich hörte er den Herzog tief Athem holen.
Vierzehn Tage ſpäter, am Morgen des 17. September 1604, lag in einem finſteren
Anderen belehrte. brochenen Fuß, ſo wie ſeine übrigen Glieder, Ja, dieſe Geſtalt lebte noch. Es war Hen⸗ eſt an den Leib des Roſſes ſchnürten. Er fiel
1 Bürgerhauptmann von Braun⸗ 1 Ohnmacht und wußte nicht mehr, was mit f dem hölzernen Bette dam vorging.
1 geſe Später war es ihm, als klänge das Stein⸗ der todt waren, Her unter den Hufen des Roſſes. Es war der Schatten an. als ſehe er die Häuſer Braunſchweigs, der Gefangene, der wüſtes Geſchrei an ſein Ohr deſſen letzte Stunde
nig Brabant, der ſchweig, der regungslos au ruhte, deſſen Wimpern geſchloſſen, deſſen Glie⸗ als gehöre er bereits dem Reiche Es war Hennig Brabant, Gefolterte, der Verurtheilte,
heut ſchlagen ſollte.
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