Jahrgang 
1 (1851)
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erfahret als ſpäter. Euer Freund Berthold Schramm iſt geſtern Abend während des Ge⸗ fechtes von Gottfried von Broizem erſchoſſen worden. Vielleicht iſt es gut für Euch; ich glaube, Ihr durftet ihm nicht viel trauen.

Wie ſo? meinte der Herzog, erſchreckt und beſtürzt über die Nachricht. Aber ein Blick, den er zufällig auf das Fräulein warf, unter⸗ brach ſeine Frage. Hulda von Wangersheim war bleich geworden, wie die Mähne des Schek⸗ ken, den ſie ritt. Sie zitterte und ließ den Zü⸗ gel ſinken.

Berthold Schramm todt? rief ſie, das größte Entſetzen und den wüthendſten Schmerz in jedem Zuge ihres verzerrten Geſichtes. Ihr irrt Euch, es iſt nicht möglich!

Fräulein! rief der Herzog und ſeine Au⸗ gen begannen unheimlich zu funkeln. Geht Euch der Tod meines Dieners ſo nahe? Ich ſollte doch nicht meinen, daß er Euch näher geſtanden als mir!

Das Fräulein blickte ihn nicht an. Sie hielt die Augen ſtarr auf die Erde geheftet.

Fluch dieſem Manne, dieſem Elenden! flüſterte ſie mit zuckender Lippe. Ueberall, wo ich mit ihm zuſammentreffe, bringt es mir Un⸗ glück! Schramm todt, todt! Nein, ich glaube es nicht! Er will mich ſchrecken.

Antwortet, Fräulein! rief der Herzog noch wilder. Wäre es wahr, was man ſich heimlich zugeflüſtert, und was ich nicht glauben wollte, daß er Euch lieber geweſen als ich? Antwortet! Habt Ihr mich verrathen und be⸗ trogen? Faſt muß ich es glauben, nachdem ich geſehen, welch' unmenſchliche Rachſucht Euch ge⸗ gen dieſen Unglücklichen erfüllt. Ein ſo ver⸗ ſtocktes Herz iſt auch wohl des Verrathes fähig. Antwortet!

Das Fräulein blickte ihn noch immer nicht an. Sie richtete einen wilden, durchdringenden Blick auf Brabant und ſchien ihm bis in's In⸗ nerſte der Seele ſehen zu wollen.

Mann, rief ſie, bei Euren Leiden, bei Eurer Seligkeit beſchwöre ich Euch: iſt Schramm todt?

Ich habe ihn fallen und ſterben ſehen,

getroffen von Gottfried's Kugel, antwortete Bra⸗ bant finſter.

Verflucht! Verflucht! rief das Fräulein in wilder, entſetzlicher Wuth und faßte die Zü⸗ gel ſo krampfhaft, daß ihr Roß ſich hoch em⸗ porbäumte. Verflucht! Schramm todt, der Ein⸗ zige, den ich liebte, den ich wahnſinnig liebte, obſchon ich wußte, daß er mich betrog, daß er mit Anderen buhlte! Elender, für dieſe Nach richt allein verdienſt Du den Tod! Er iſt todt und Du lebſt, Du, der Du ihn vielleicht ſelbſt getödtet! Stirb unter den Hufen meines Roſſes!

Sie peitſchte das Roß und wollte es über Brabant forttreiben. Aber der Herzog erfaßte die Zügel des Pferdes und riß es mit furcht⸗ barer Gewalt zurück.

Alſo ihn haſt Du geliebt und mich be trogen? rief er mit donnernder Stimme. Ha, Dank dieſem Manne, Dank dieſem Augenblick, 1 der mich in Dein verruchtes Herz hat blicken 3 laſſen! Deshalb habe ich mich an Dich gekettet, habe Deine Launen ertragen, habe meinen ehr⸗ lichen Namen faſt verloren, um mich von Dir verrathen und betrogen zu ſehen? Fort, Dirne, fort! Wehe Dir, wenn ich Dich je in meinem Lande wieder treffe! Ich laſſe Dich in den tief⸗ ſten Kerker werfen, und mache einen Blinden und Tauben zu Deinem Wächter, damit Du ihn nicht mit Deinen buhleriſchen Blicken verführen, nicht mit Deinen lügneriſchen Worten überliſten kannſt! Fort! Oder ich erdroſſele Dich mit eige⸗ ner Hand, Du Schlange, die Du mein Herz⸗ blut ausgeſaugt!

Und in wilder Raſerei ergriff er ſeine Reit⸗ gerte und ließ ſie niederfallen auf den Hals des Pferdes und auf den weißen Nacken des Fräu⸗ leins. Hulda ſah ihn mit einem zugleich thenden und verächtlichen Blicke an. Dann trieb ſie die Sporen tief in die Weichen des Roſſes, und mit einem mächtigen Satze, der die Reite⸗ rin faſt aus dem Sattel geworfen hätte, flol das Roß davon. Im nüächſten Augenblig war das Fräulein den Blicken Brabant's e ſchwunden.

Brabant und der Herzog ſchwiegen der nächſten Minuten. Es war dem mann Alles wie ein Traum vorüberg