Jahrgang 
1 (1851)
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Verfolgern nicht zu begeben. Zufällig trafen ſie auf dem Felde einen Mann, einen Feldhüter, dem Brabant früher einige Gefälligkeiten erzeigt. Dieſer, tief betrübt über das Schickſal ſeines

Wohlthäters, ergriff den andern Arm deſſelben, und ſo führten er und Depenau den unglücklichen Hauptmann bis nach Eiſenbüttel, eine Viertel⸗ meile vor der Stadt.

Aus Furcht, erkannt und ſpäter beſtraft zu werden, verließ jetzt der Feldhüter die beiden. Brabant bat ihn nur, er möge heimlich zu ſei ner Frau gehen und ihr mittheilen, daß ihr Mann gerettet ſei. Daß Brabant ein Bein gebrochen, ſolle er verſchweigen. Der Feldhüter verſprach es.

Depenau kannte den Müller in Eiſenbüttel. Er ging zu ihm und bat ihn, ihn und ſeinen Freund Brabant auf einem Kahne nach Wolffen⸗ büttel zu bringen. Aber der Müller, der ohne⸗ hin ſchlecht bei dem Rathe angeſchrieben ſtand und von demſelben abhängig war, weigerte ſich, es zu thun. So ſah ſich Depenau genöthigt, ſeinen Freund allein weiterzuführen. Er that es gern, ſo lange er ſelbſt es vermochte. Aber in der Gegend von Broitzem verließen ihn die Kräfte. Auch beſtand Brabant darauf, daß ſich Depenau ſeinetwegen nicht ſelbſt zu Grunde richten ſolle, damit wenigſtens noch Einer übrig bleibe, der für ein Mittel ſorgen könne, die Flucht wei⸗ ter fortzuſetzen.

»Mitternacht war ſchon längſt vorüber. In wenigen Stunden mußte der Tag anbrechen. Brabant bat deshalb ſeinen Freund, ihn ſelbſt ruhig unter einem Buſche liegen zu laſſen, und in die Umgegend zu gehen, und einen Wagen aufzuſuchen, auf dem ſie Beide bei Tagesanbruch die Flucht fortſetzen könnten. Denn während der Nacht glaubte ſich Brabant ſicher.

Mit ſchwerem Herzen verließ Depenau ſei⸗ nen Freund. Brabant, gefoltert von den ſchreck⸗ lichſten Schmerzen, die ſich mit jedem Augenblick ſteigerten, blieb allein zurück, in der kalten Nacht, ohne Schutz und Hülle auf der feuchten Erde liegend. Welche Gedanken beſtürmten das Herz des unglücklichen Mannes, der, vom Wundfieber geſchüttelt, kraftlos und ohnmächtig den Augen⸗ Jick erwarten mußte, der ihm vielleicht Hülfe,

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vielleicht ſchmachvolle Gefangenſchaft brachte! Er dachte an ſein ganzes vergangenes Leben, an ſeine ſchönen Träume vom Glück ſeiner Mit⸗ bürger, an ſeine raſtloſen Bemühungen für das Wohl der Stadt, er dachte an die kurze Zeit, in der man ihn achtete und liebte, wie Keinen, und dann an die Tage, in denen Einer nach

dem Anderen von ihm abfiel, ohne ſeine Schuld.

Er dachte daran, ob er dieſe qualvolle Stunde, die jetzt über ihn hereingebrochen, wohl verdient habe für ſeine aufopfernde Thätigkeit, für ſein

uneigennütziges Wirken zum Wohle der Menſch⸗

heit. Der Gedanke an die Undankbarkeit und Liebloſigkeit derer, denen er ſein ganzes Leben geweiht, verurſachte ihm größere Schmerzen als die Verletzung an ſeinem Körper. Wozu hatte er gelebt? Weshalb ſich gequält? Weshalb den Freuden des Lebens ſchon in ſeiner Jugend Lebe wohl geſagt, um ſeine Tage dem Dienſte der Menſchheit zu widmen? Der Gedanke, der ihn bis jetzt immer noch aufrecht erhalten, daß es eine Gerechtigkeit, eine Vorſehung gebe, die über Allem wacht und Alles vergilt, verließ ihn. Brabant wünſchte, er hätte nie gelebt. An Marie, ſein Weib, an ſein Kind, wagte er gar nicht zu denken. Er hätte ſonſt aufſchreien und laut jammern müſſen. Wenn er ihr Bild vor ſeinen irren Augen ſchweben, wenn er ſie wei⸗ nen, die Hände ringen ſah, wenn er daran dachte, daß ſie ihn vielleicht beſchuldige, ihr Schickſal an das ſeinige gekettet, ihre Ehre, ihr Glück vernichtet zu haben, ſo fühlte er die Qualen des Wahnſinns durch ſein Gehirn zucken, und das Fieber, das ihn ſchüttelte, entwich vor dem Krampf, der ſein Herz erfaßte.

So lag er zwiſchen ſchmerzvollem Wachen und qualvollen Träumen, in einem Zuſtande, wie er von denen geſchildert wird, die, dem Glauben der Vorzeit zufolge, im Fegefeuer ſchmachteten. Wüſte, troſtloſe Gedanken durch⸗ zuckten ſein Hirn: Fieberſchauer ſchüttelten ſeinen Leib. Endlich ſank er in einen Zuſtand, der die Mitte hielt zwiſchen Ohnmacht und Schlaf, aber ebenfalls qualvoll und ſchmerzlich war. In dieſer Betäubung verharrte er, bis der Tag ſchon angebrochen war. Dann erwachte er wie⸗ der. Geiſtig fühlte er ſich ruhiger, aber die

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Leiden Sein F mochte erheben Schmer auf der

retten, das ſe keine Mari tröſte ſucht wo ſeufz auf

und erka biet leic ihn

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