Jahrgang 
1 (1851)
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er dann auf. mich an!

Es war ſo. Der alte Broizem ob er ſeinen Sohn erkannte oder nicht, wer konnte es wiſſen? erhob das Gewehr. Gottfried ließ ſeine Muskete ſinken und ſtammelte:

Vater im Himmell vergieb ihm!

Dann fiel ein Schuß, und als Brabant das rothe, erhitzte Geſicht Broizem's aus dem Pul⸗ verdampf auftauchen ſah, lag auch Gottfried todt, mit zerriſſener Bruſt, neben ſeinem Freunde. Die Kugel hatte ihn mitten durch's Herz ge troffen.

Brabant ſchauderte tief zuſammen. Es war ihm, als müſſe er auf die Knie ſtürzen und die Natur um Verzeihung bitten, daß ſie ein ſol ches Scheuſal hervorgebracht. Dann richtete er ſich empor.

Broizem, rief er mit mächtiger Stimme, während ein augenblickliches Stillſchweigen ein⸗ getreten war, Broizem, Ihr habt Euern Sohn getödtet!

Die ganze durcheinander wogende Menge hatte dieſe Worte gehört. Eine Todtenſtille trat ein, als ob Alle ein Zittern und Fröſteln überliefe. Brabant ſah den alten Broizem einen Augenblick erbleichen und ſchwanken. Gleich darauf aber wendete der Bürgermeiſter ſein Ge⸗ ſicht, das er ſtarr auf Brabant gerichtet hatte, mit einem verächtlichen Ausdrucke ab, und rief mit dumpfer Stimme:

Ich habe keinen Sohn gehabt! Thut Eure Schuldigkeit, Leute!

Das Geſchrei und Toben, das jetzt ſogleich wieder anbrach, verhinderte Brabant, wie er es beabſichtigt, dem Volke den Leichnam Schramms zu zeigen, und ihm noch einmal zu ſagen, daß es durch einen gedungenen Spion zu unvernünf⸗ tigen Gewaltthaten aufgereizt worden. Aber es war keine Zeit mehr dazu. Die Raths⸗ wächter und ihre Begleiter ſtürmten mit erneu⸗ ter Heftigkeit gegen das Haus und richteten alle ihre Anſtrengungen darauf, die feſte eichene Thür zu zertrümmern. Es gelang ihnen bald, doch war dieſelbe von innen verrammelt, und der Haufe ſah ſich in ſeiner Erwartung ge⸗

Mein Vater legt die Flinte auf

bewachſen waren.

täuſcht, eindringen und über die Hauptleute her⸗ fallen zu können.

Dieſe erkannten indeſſen, daß die Dauer des Widerſtandes jetzt nur nach Minuten zu meſ⸗ ſen ſei. Denn ſchon wichen auch die Balken und Klötze, mit denen ſie den Eingang geſperrt hatten. Sie dachten an die Möglichkeit, viel leicht durch die Hinterthür zu fliehen und nach Orten zu gelangen, die ihnen größere Sicher heit böten. Aber auch dieſer letzte Ausweg ſollte ihnen verſchloſſen werden. Denn faſt in demſelben Augenblick, in dem die erſten Bewaff⸗ neten durch die Vorderthür drangen, brach auch ein Haufe, der das Haus umgangen hatte, durch die ſchlecht verrammelte Hinterthür und fiel den Hauptleuten mit wildem Geſchrei in den Rücken.

Brabant und Depenau ſtanden in dieſem gefährlichen Augenblicke dicht beieinander. Ein einziger Wink machte Depenau mit Brabant's Abſicht bekannt. Beide erhoben die breiten Schwerter, die ihnen Bierſchwale gegeben, und ſtürzten ſich mitten in den Haufen, der durch die Hinterthür gebrochen war. Dicht zuſam⸗ menhaltend und unerkannt in der Dunkelheit, die auf dem breiten Hausflur herrſchte, gelang es ihnen, ſich durchzuſchlagen und den Hofraum zu gewinnen. Raſch ſprangen ſie über einen niedrigen Zaun und einige Ställe fort, ſchon die Stimmen der Verfolger hinter ſich hörend.

Zwiſchen Bierſchwalens Hauſe und der Stadt⸗ mauer, die nicht allzuweit entfernt war, lagen große Wieſen, die gewöhnlich halb unter Waſ⸗ ſer ſtanden und mit einzelnen Weidengebüſchen Durch dieſe in der Dunkel⸗ heit einen Weg zu finden, war ſchwer und ge⸗ fährlich. Oft blieben die Beiden im Sumpf ſtecken oder wurden durch breite Gräben in ih⸗ rer Flucht aufgehalten. Dennoch mußten ſie eilen, da man ihre Flucht und wahrſcheinlich auch den Weg, den ſie genommen, bemerkt hatte. Denn ſie hörten hinter ſich Rufen und Schreien, und ſahen den Glanz einzelner Fackeln.

dkalch gelangten ſie indeſſen bis zur Stadt⸗ mauer. Sie ſahen keinen Wächter auf derſel⸗ ben. Wahrſcheinlich hatten die Wachen, ange⸗ lockt durch den Lärm, den der Kampf verurſachte,

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