Jahrgang 
1 (1851)
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Menge mit Fackeln, in deren Scheine die Helle⸗ barden und Musketen blitzten, die Straße her aufziehen. Mann an Mann ſtand draußen dicht gedrängt. Es waren einige hundert Leute, die theils aus Neugier, theils um den Wächtern zu helfen, mitgezogen waren.

Hier ſind die Verräther, die Feinde der Stadt! hörten die Hauptleute rufen. Fangt ſie! Schlagt ſie todt! Laßt ſie nicht entwiſchen, ſonſt zünden ſie uns heut Nacht die Stadt über dem Kopfe an. Nieder mit ihnen! Sie ver⸗ dienen es nicht beſſer, die Hunde!

Brabant und Gottfried glaubten auch jetzt wieder Schramm's Stimme zu erkennen. Sie blickten durch eine Ritze im Fenſterladen auf die Straße. In der That ſahen ſie den Fremden wohlbewaffnet mitten unter dem Haufen, und bemerkten, wie er ſeine Umgebung zu noch größerer Wuth aufreizte. Plötzlich ergriff Gott⸗ fried Brabant's Arm.

Da, ſieh! rief er mit zitternder Stimme. Sieh, mein Vater unter dem Haufen! Wehe! Ich muß die Kugel aus dem Laufe meiner Muskete im Auge behalten. Ich will nicht das Blut meines Vaters vergießen, obgleich er nach dem Blute ſeines Sohnes dürſtet. Aber jenen Elenden, jenen Schramm werde ich nicht fehlen. Ueberlaß' ihn mir, Brabant!

Brabant machte ein bejahendes Zeichen. Mit Abſcheu ſah er den greiſen Broizem, den regierenden Bürgermeiſter, in der Nähe Schramms, wie er die Menge ebenfalls aufſtachelte und ſie anreizte, kein Pardon zu geben. Die Abſicht war klar. Es mußte dem Rathe angenehm ſein, wenn die Hauptleute von dem raſenden Volke erſchlagen wurden. Dann brauchte er ihnen ſpäter nicht mehr den Prozeß zu machen, deſ⸗ ſen Ausgang noch zweifelhaft war.

Der Hauptmann der Wächter gebot jetzt Nuhe und klopfte an die Hausthür.

Sind die Hauptleute Brabant, Depenau er nanute alle Namen der Verſammelten hier in dieſem Hauſe? rief er mit lauter S imme, während die Menge ſchwieg.

Jal antwortete Brabant mit feſter Stimme von innen. Sie ſind Alle hier!

So öffnet! rief der Anführer. Denn

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ich bringe einen Befehl des hohen Rathes, ſämmtliche Hauptleute ſogleich zu verhaften und in das Gewahrſam zu führen.

Guter Freund, rief Brabant, geht Eures Weges. Wir werden nicht öffnen. Der ehr⸗ ſame Rath muß wiſſen, daß er kein Recht hat, in die Häuſer der Bürger zu dringen, am al⸗ lerwenigſten aber die Hauptleute, die nicht un⸗ ter dem Rathe ſtehen, zu verhaften. Geht Eures Weges. Wenn der Rath etwas von uns will, ſo mag er es ſchriftlich melden!

Die Menge draußen brüllte auf und ſtieß zahlloſe Verwünſchungen aus.

Wenn Ihr nicht öffnet, rief der Anfüh⸗ rer der Wache, ſo müſſen wir Gewalt ge⸗ brauchen.

Thut das! rief Brabant. Aber, was auch geſchehen möge, die Schuld fällt auf den Rath zurück!

Wüthendes Geſchrei von draußen antwor⸗ tete. Gleich darauf fielen einige Schlüſſe durch das Fenſter, die aber nicht trafen. Die Haupt⸗ leute griffen jetzt zu den Waffen. Der Kampf begann. Die Fackeln von der Straße her war⸗ fen ihren blutrothen Schein in das Zimmer und beleuchteten die Stätte, wo Bürgerblut ver⸗ goſſen werden ſollte.

Es war ein ungleicher Kampf. Zahlloſe Schüſſe fielen von außen. Bald waren die Fen⸗ ſter zertrümmert und die Läden mit Aexten ein⸗ geſchlagen. Aber die feſte Thür widerſtand, und von den hohen Fenſtern wehrten die Haupt⸗ leute die Angreifer muthig zurück, während ſich die Wuth der Menge mit jedem Augenblicke verdoppelte.

Plötzlich rief Gottfried Brabant zu ſich.

Sieh, ſagte er, dort ſteht Schramm, ne⸗ ben ihm mein Vater. Ich werde auf den Elen⸗ den zielen.

Er legte die Muskete an, während auch Schramm die ſeinige erhob. Im nächſten Augen blicke krachte Gottfrieds Schuß. Schramm wankte, ſchlug den Blick auf und ſah Gottfried am Fenſter. Er ſtieß einen wilden Fluch aus und ſtürzte todt nieder.

Die Welt iſt von einem Böſewicht be⸗ freit! ſagte Gottfried finſter. Aber ſieh! ſchrie 36