Zwan war verwundert, daß der Graf über die Mittheilung, jene Geſellſchafterin der Gräfin
Auch dann noch war ihm dieſe Ruhe befrem⸗ dend, als der Graf erzählte, daß er ſchon frü⸗ her dieſem Geheimniß auf die Spur gekom⸗ men ſei.
— Hätte ich damals dieſen Brief in Kiew geleſen, ſagte der Graf zuletzt, welche Qualen, welche Leiden wären verhindert worden! Doch es iſt gut ſo!
Iwan verſtand dieſe räthſelhaften Worte
ihm wie Kälte. Sein Unglück hatte ihn miß⸗ trauiſch gemacht: er nahm ſich vor, gegen den Grafen ebenfalls zurückhaltend zu ſein. Doch beſiegte die ſpätere Theilnahme, die der Graf ſeinen Schickſalen bezeigte, dieſe Kälte, und Iwan erzählte dem Vater ſeiner Geliebten Alles, was ſich mit ihm zugetragen, von dem Augen⸗ blicke der Verhaftung des Grafen in Kiew, bis zu dieſem ſeltſamen Wiederfinden an der preu⸗ ßiſchen Gränze.
Der Graf lauſchte mit Thränen in den Augen und konnte oft die Bewegung, die ihn zu überwältigen ſchien, nicht zurückhalten. Spä⸗ ter erzählte er, daß er jetzt von einer Reiſe nach Petersburg zurückkehre, wo es jetzt ſehr traurig ausſehe. Rilejew, Kachowskoi, Sergei Murajew, Beſtuſchef und Peſtel erwarteten ihr Todesurtheil. Viele von den übrigen Verhaf⸗ teten waren nach Sibirien geſchickt worden.
Iwan hatte nicht den Muth zu fragen, ob der Graf etwas über das Schickſal ſeiner Toch⸗ ter und ſeines Freundes Mathieu erfahren habe. Er wollte den Schmerz, der ſein eigenes Herz durchwühlte, nicht in der Bruſt eines Anderen auflodern ſehen. Und doch wußte er ſich die ſtille Ruhe und Heiterkeit, die aus den Augen des Grafen blickte, nicht zu erklären. Das An⸗ erbieten des Grafen, auf ſeinem Gute, das in der Provinz Poſen lag, zu verweilen, bis er ſich ſelbſt eine Stellung geſchaffen, nahm Iwan ohne Weiteres an.
Die kommende Nacht war die letzte, die 8 Iwan im Bereiche des Zaaren zubrachte. Am N andern Morgen rollte der Wagen des Grafen
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Orlow ſei ſeine Tochter geweſen, ſo ruhig blieb.
nicht. Das Benehmen des Grafen erſchien
über die Gränze, und Iwan athmete unwill⸗ kürlich leichter auf. Auch ſeine Mutter war wie umgewandelt. Eine tiefe Glückſeligkeit war über ihre edlen Züge ausgebreitet und mit ſeli⸗ gen Blicken betrachtete ſie ihren Sohn. Iwan glaubte zu bemerken, daß dieſe Umwandlung mit ſeiner Mutter namentlich ſeit einer kurzen Unterredung vorgegangen, die ſie am frühen Morgen mit dem Grafen gehabt hatte.
Das ſchönſte Frühlingswetter begleitete die kurze Reiſe, die Graf Waldau noch bis zu ſei⸗ nem Gute zurückzulegen hatte. In dieſe ange⸗ bauteren Gegenden war der Frühling ſchon früher eingezogen. Die Bäume und Sträucher bedeckten ſich ſchon mit jungem Grün und die Lerchen wirbelten bereits durch die Luft. Iwan fühlte ſich ruhiger und glücklicher, ohne ſelbſt zu wiſſen, warum. Die ſtille Ruhe und Hei⸗ terkeit ſeiner Begleiter ſchien ſich auch ihm mit⸗ getheilt zu haben.
— Wir ſind jetzt am Ziel unſerer Reiſe, ſagte der Graf am anderen Tage, als die Sonne ſich bereits zum Untergange neigte. Se⸗ hen Sie dort jene hellen Mauern, die von der Abendſonne vergoldet werden. Es ſind die Mauern meines Schloſſes. Gehen Sie dieſen Fußſteig voraus, Iwan, und kündigen Sie mei⸗ nen Leuten meine Ankunft an. Der Fahrweg macht hier eine Biegung. Sie werden früher dort ſein, als wir. Gehen Sie voraus, ich habe ohnehin ſchon bemerkt, daß das lange Fahren Sie ermüdet.
Iwan ſprang aus dem Wagen. Er ſah die Blicke des Grafen und ſeiner Mutter ſelig auf ihm ruhen. Ihn ſelbſt ergriff die Ahnung eines hohen wunderbaren Glückes. Die warme Frühlingsluft berauſchte ihn. Wie von Flügeln getragen eilte er den Fußſteig entlang, der in einen ſchönen Park führte, in dem ſchon Früh lingsblumen dufteten und die Nachtigallen ihr Lied anſtimmten.
Als Iwan aus dem Park trat, ſah er das ſchöne Schloß vor ſich liegen. Eine geſchmack⸗ volle Gartenanlage bildete den Vorhof. Hier dufteten ſchon die Büſche und weicher, ſaftgrüner Raſen bedeckte den Boden.
Iwan war ſo raſch gegangen, daß er einen
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