Jahrgang 
1 (1851)
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Augenblick hier ſtill ſtand. Die Sonne, bis dahin durch einige hohe, rauſchende Pappeln verborgen, trat jetzt glühend hervor und ver⸗ goldete die hohen Fenſter des Schloſſes mit blendendem Lichte.

Verwirrt und geblendet trat Iwan einige Schritte vor Aber plötzlich war es, als träfe ihn ein Blitzſchlag. Wie eine Bildſäule ſtand er da, den Kopf vorbeugend, die Arme halb ausſtreckend, den Athem anhaltend und die Augen ſtarr auf das Innere einer kleinen Laube richtend.

In dieſer Laube ſaß eine hohe, ſchlanke Frau, die den Arm auf einen kleinen Tiſch ge⸗ ſtützt hatte und ihr Haupt auf ihren feinen zarten Fingern ruhen ließ. Langes, raben⸗ ſchwarzes Lockenhaar fiel über den erhobenen Arm und den Nacken. Von ihrem niederge⸗ ſenkten Geſichte war nur die freie edle Stirn, der feine Mund und das Kinn zu ſehen. Aber die ganze Geſtalt hatte etwas Edles, Wunder⸗ bares, Bezauberndes. Sie war in tiefes Schwarz gekleidet.

Auf dieſe Geſtalt, die ganz vom Glanze der Abendſonne umfloſſen war, hielt Jwan ſein Auge gerichtet; ihr ſtreckte er unbewußt und wie von einer magnetiſchen Anziehungskraft ge⸗ trieben ſeine Arme entgegen.

In dieſem Augenblicke erhob ſich auch jene Frauengeſtalt und ſchlug ihr dunkles Auge em⸗ por, in dem eine Thräne ſchimmerte. Sie er⸗ blickte den Jüngling. Ein Buch, das ſie in der Hand hielt, entſank ihr. Sie zitterte und trat leidenſchaftlich einige Schritte vor, ebenfalls ihre Arme ausbreitend.

Olga!l rief Iwan und ſtürzte, überwäl⸗ tigt und faſt getödtet von dem Uebermaß ſeines Entzückens, nieder auf den weichen Raſen, zu den Füßen der Jungfrau.

Dieſe ließ die Arme ſinken. Ihr Auge ver⸗ dunkelte ſich. Ein Ruf erſtarb auf ihren Lip⸗ pen. Sie ſchwankte. Iwan ſprang empor⸗

Olga! Olga! rief er, während Thräͤnen des Entzückens aus ſeinen Augen ſtürzten. Olga, biſt Du es? O, ſprich ein Wort, damit ich weiß, ob ich wache oder träume.

Die Jungfrau antwortete ihm nicht; aber

Fata morg. Bd. 1. Hft. 12.

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ſie ſc=hlug die Augen empor und aus dieſen dunkeln, räthſelhaften Sternen leuchtete eine Un⸗ endlichkeit von Glück und Liebe. Es wäre un⸗ möglich, zu beſchreiben, was in dieſem Augen⸗ blicke in den Seelen der Liebenden vorging. Einige Minuten ruhten ſie ſprachlos Herz an Herz, und wenn ſie ſpäter an dieſe Augenblicke zurückdachten, ſo war es ihnen, als wären ſie weit hinausgerückt geweſen über die Erde und hätten einen Augenblick jene Seligkeit genoſſen, die in anderen, als irdiſchen Räumen, woh⸗ nen ſoll.

Plötzlich hörte JIwan Tritte. Er ſah einen ältlichen, feingekleideten Mann aus der Thuür des Schloſſes treten. In jeder ſeiner Bewe⸗ gungen lag Adel und Hoheit. Iwan ſah ihn ſtillſtehen, dann ſah er ihn herbeiflegen, hörte ihn einen Freudenſchrei ausſtoßen und lag im nächſten Augenblick in den Armen ſeines Vaters.

Nicht mehr Herr ſeiner Gefühle, ließ der vielgeprüfte Mann ſeinen Thränen freien Lauf und verbarg ſein Haupt, das unter Leiden und Entbehrungen ergraut war, ſchluchzend an dem Herzen ſeines Sohnes. Keiner wagte zu ſpre⸗ chen. Niemand wollte die Heiligkeit dieſes Augenblickes durch ein Wort entweihen.

Aber noch hatten die Wiedervereinigten den Kelch des Glückes, der ihnen nach ſo vielen Leiden aufgeſpart war, nicht geleert. Unten am Schloßthore erſchien ein Wagen des Grafen Der Graf hob eine Frau aus dem Wagen und Beide eilten auf die Gruppe der Glücklichen zu. Kaum erblickte Iwan's Pater die Frau, die dem Grafen vorauseilte, ſo ſtieß er einen Ruf der Ueberraſchung aus und wäre faſt in die Knie geſunken, wenn ihn Iwan nicht gehalten hätte. 4 Sie in es! rief Iwan. Es iſt meine Mutter.

Ceſar Matthieu eilte jener Frau entgegen. Eine Minute ſpäter lagen ſie ſich in den Ar⸗ men, während der Graf zu Iwan und ſeiner Tochter heraneilte und ſte Beide mit Thränen in den Augen an ſein Herz drückte.

Ja, Iwan, mein Sohn, ſagte er mit einer Stimme, die von ſeinem Schluchzen unter⸗ brochen wurde, die Vorſehung hat meine Toch⸗

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