Jahrgang 
1 (1851)
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der mühſamen und langen Fußwanderung. Ihre

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Alle dieſe Hoffnungen, dieſe Beſtrebungen, die dem Jüngling ſein Leben werth und wichtig hatten erſcheinen laſſen, waren jetzt mit einem Schlage in ſeiner Bruſt vernichtet. Iwan ver zweifelte an ſich, an dem Zwecke ſeines Daſeins, an der Erfüllung ſeiner Hoffnungen, an der Möglichkeit, daß ſeine Mitmenſchen einſt frei werden könnten. Er hoffte und glaubte Nichts mehr. Eine finſtere Verzweiflung war in ſeine Bruſt eingezogen und verdunkelte die Zukunft, die ihm ſonſt immer im hellen Lichte erſchienen war, wenn auch die Stürme der Gegenwart ihn umrauſchten. Iwan hielt das Leben für zweck⸗ los und nichtig. Er hielt es für möglich, daß er vielleicht ſeinen Vater, ſelbſt ſeine Geliebte finden würde, aber er glaubte nicht mehr feſt, wie früher, an die Gewißheit, daß es ſo ſein würde. Der Zweifel hatte mit kalter Hand ſein junges Herz umkrallt und die Wärme und Begeiſterung der Hoffnung und des Glaubens aus demſelben vertrieben. Zuweilen kam es ihm ſogar vor, als ſei ihm recht geſchehen da⸗ für, daß er in wildem Uebermuthe das Schloß der Fürſtin verlaſſen und ſich in den Kreis eines Lebens geſtürzt habe, das ihm für immer hätte fremd bleiben ſollen. Seine Zukunft ver⸗ mochte er ſich nicht mehr anders zu denken, als öde, dumpf, traurig und ärmlich. Ueberhaupt wußte er gar nicht, wie ſein nächſtes Leben ſich geſtalten werde; es war ihm Alles gleich⸗ gültig. Für ihn, den alle Schickſalsſchläge getroffen hatten, gab es nichts mehr zu fürchten.

Mit Schrecken bemerkte die Mutter die Um⸗ wandlung ihres Sohnes. Jeder Verſuch, den ſie machte, in dem Herzen deſſelben die Flamme der Hoffnung und des Lebensmuthes wieder an⸗ zufachen, war vergeblich. Stumm ertrug auch ſie zuletzt ihr Schickſal, und auch ihrem Herzen theilte ſich zuletzt etwas von der Troſtloſigkeit mit, von der das Herz ihres Sohnes erfüllt war. Ihre Bemühungen waren nur noch dar⸗ auf gerichtet, ihrem Sohne alle Schwierigkei⸗ ten und Unannehnlichkeiten aus dem Wege zu räumen, damit er ſo wenig wie möglich an das alltägliche Leben erinnert werde. Sie ertrug alle Mühſeligkeiten, ſie beſtritt alle Bedürfniſſe

weinte er lange an ihrer mütterlichen Bruſt, reichs!

Sorgfalt rührte das Herz des Sohnes, und oft b Nutter Aber auf dieſe Stunden des Schmerzes folgten Greuze

* 9. 78 3 dann ſtets wieder Tage der Verzweiflung, des nicht ſo

Tiefſinns und der Troſtloſigkeit. Cs

An einem trüben, kalten Wintertage kamen lauen! ſie nach Sophiofka. Alles war dort verändert, Aber d das Leben, der Glanz waren einer tiefen Stille n Mihe und Einförmigkeit gewichen. Iwan ließ ſeine ihre R Mutter am Schloßthore zurück und ging ſelbſt, ten Ra um Erkundigungen einzuziehen. Er erfuhr, daß fürchter die Gräfin Potocki ſchon vor einigen Jahren nicht, geſtorben ſei, und daß einer ihrer Söhne, ein es glei wüthender Polenfeind und ruſſiſcher Beamter, die M jetzt im Schloſſe wohne. Niemand kannte den Es jungen Mann wieder, ſelbſt nicht der alte Di⸗ Mutte mitri. Von dieſem erfuhr Iwan, daß aller brochen dings vor ungefähr zwei Jahren, noch bei Leb daß ſie zeiten der alten Gräfin, eines Tages ein alter Ort 3. Mann und ein junges, ſchönes Mädchen in das durch Schloß und von der Gräfin mit großer Freund⸗ Iwan lichkeit aufgenommen ſeien. Nach dem Tode eines der Gräfin aber waren ſie wieder abgereiſt; Anzure wohin? wußte der Alte nicht. Olga Potocki terin war die Gattin des Grafen Felir Raminsky ſolle. geworden und war mit ihrem Gemahl nach A Italien gereiſt, da Felir Raminsky bei der Re lich ſ gierung verdächtigt worden. elegan

Iwan's Antlitz war ruhig und gefaßt, als Man er zu ſeiner Mutter zurückkehrte und ihr dieſe ſen, v Nachrichten überbrachte. Er hatte nichts An⸗ Seufz deres erwartet. Es handelte ſich jetzt darum, die I wohin Mutter und Sohn nun ihre Schritte len⸗ anget ken ſollten. Iwan wollte Rußland, das Land T ſeiner Jugend und ſeiner Leiden, verlaſſen. Die ges Matrone konnte nichts einwenden. Beide ka⸗ dußg men überein, nach Preußen zu wandern; dort nen ſollte ſich JIwan eine Stellung zu verſchaffen ul übern ſuchen. Stim

Noch an demſelben Tage zogen ſie weiter, und durch Podolien und das Königreich Polen der ten preußiſchen Grenze zu. Das Wetter war kalt, Fal die Landſtraße faſt unwegſam; oft legten Beide felle in einer Woche kaum eine Tagereiſe zurück. 1 G Gegen dieſe Wanderung war die Flucht aus ter u Sibirien eine Luſtfahrt geweſen. wäre

Monate vergingen, ehe Iwan und ſeine ſeinen