Jahrgang 
1 (1851)
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556 Mache mit

len. Wir ſind in Deiner Gewalt. uns, was Du willſt.

Der General ſchien nicht zu wiſſen, wie er ſeiner inneren Wuth Luft machen ſolle. Der Anblick Sophiens und ihres Geliebten, die ru hig und gefaßt daſtanden, machte ihn raſend. Er wollte ſein Pferd auf ſie ſpornen, aber es ſcheute ſich vor dem Feuer und wich zurück.

Her zu mir, Sophiel rief er noch ein⸗ mal mit donnernder Stimme. Zu mir zurück, ehrloſes Weib! Fürchte meine Wuth!

Ich fürchte Nichts, antwortete Sophie mit heller, begeiſterter Stimme, ſeitdem ich mit meinem Geliebten vereinigt bin.

Kiſſelew war nicht mehr Herr über ſich ſelbſt. Er ſtieß einen wilden Fluch aus und riß ſein Pferd zurück.

Feuer! rief er. Gebt Feuer auf die Elenden! Schießt ſie nieder!

Die Dragoner erhoben ihre Karabiner, zö⸗ gerten aber.

Feuer! Ich will es! ſchrie der General. Schießt ſie nieder wie Hunde!

Iwan ſah eine lange Reihe von Karabinern auf ſich und ſeine Freunde gerichtet. Ein furcht⸗ barer Donner betäubte ſein Ohr. Er ſah Mat⸗ thias und Sophie lautlos niederſtürzen. Eine wilde Verzweiflung ergriff ihn. Er ſank nieder.

Aber im nächſten Augenblicke raffte er ſich wieder auf.

Meine Mutter! ſchrie er mit entſetzter Stimme. Sie morden ſie! Meine Mutter!

Er ſprang auf. Er ſah die Dragoner dicht vor ſich. Aber er ſah auch, daß Viele von ih⸗ nen ſtürzten, denn das Infanteriebataillon war näher gekommen und hatte eine Salve auf die Reiterei gegeben. Mitten durch Qualm und ſprühende Funken ſtürzte Iwan fort nach der Thür, die in den Park führte. Sie war offen. Er eilte durch den Park, der ſich mit fliehenden Soldaten füllte. Einen klaren Gedanken über das, was ſo eben vorgegangen und was ihm noch bevorſtehe, vermochte er nicht zu faſſen. Von jetzt ab wußte er nicht mehr, was er that. Er handelte wie im Traume.

Später erſt beſann er ſich, daß er in das Schloß geſtürzt war und dort ſeine Mutter und

vor Anbruch des Tages den dichten Wald.

Natalja im höchſten Schrecken gefunden hatte. Er rief ihnen zu, daß ſie mit ihm fliehen ſoll⸗ ten, da Alles verloren ſei. Als ſie auf den Schloßhof kamen, ſahen ſie die Feinde eindrin⸗ gen und erblickten Orlow, Sergei Murajew und Beſtuſchef im Kampfe mit den erſten Reitern. Gleich darauf fiel Orlow, dem der Hieb eines Küraſſiers den Kopf geſpalten. Iwan wollte zu ihm, aber ſchon drängten ſich feindliche Rei⸗ ter um den Leichnam, ſchon waren Sergei und Beſtuſchef gefangen und gefeſſelt. Iwan fühlte, daß ſeine Mutter und Natalja ihn nach der entgegengeſetzten Seite des Hofes fortzogen.

Dann ſah auch er ſich von Reitern umringt und ſah die Lanze eines Koſaken vor ſeinen Augen blitzen. Ein weibliches Weſen warf ſich mit einem Schrei dem Koſaken entgegen und ſank gleich darauf tödtlich getroffen nieder. Cs war Natalja. IJwan wollte ſich über ihren Leichnam ſtürzen, aber er fühlte ſich vorwärts gedrängt und ſah, daß ſeine Mutter noch im⸗ mer an ſeiner Seite war.

Dann ſah er ſich von einigen befreundeten Soldaten umringt, fühlte den Boden eines Kah⸗ nes unter ſeinen Füßen und hörte raſche Ruder⸗ ſchläge, die ihn dem jenſeitigen Ufer zuführten.

Als Iwan aus ſeiner geiſtigen Betäubung erwachte, ſah er ſich auf dem anderen Ufer des Fluſſes. Es war Nacht, nur wilder Lärm und Schüſſe drangen zu ſeinen Ohren. Ein heißer Thränenſtrom ſtürzte aus ſeinen Augen. Er wäre niedergeſunken, aber er fühlte ſich von zwei Armen umſchlungen und ſank an das Herz ſeiner Mutter.

Noch in derſelben Nacht ſchritten zwei dunkle Geſtalten langſam und ſchweigend über die öden Felder, die zwiſchen dem Schloſſe der Fürſtin Koslowsky und dem weſtlichen Theil des gro⸗ ßen Waldes lagen. Sie ſtanden niemals ſtill und blickten ſich nie um, ſo oft auch das Ge⸗ ſchrei, das aus dem erſtürmten Schloſſe noch immer herübertönte, ihnen Gelegenheit dazu ge⸗ geben hätte. Raſtlos und unermüdlich ſetzten ſie ihren einſamen Weg fort und erreichten noch

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