Jahrgang 
1 (1851)
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unabſehbar und mit unwiderſtehlicher Gewalt über die Ebene ergoſſen.

Es war noch hell genug, um Alles deutlich unterſcheiden zu können. Es waren vier oder fünf Kavallerieregiementer, die, wie es ſchien, ihren Weg mit furchtbarer Haſt mitten durch das Gebüſch genommen hatten und ſich jetzt raſch an dem Rande deſſelben ausbreiteten. Die wenigen geordneten Truppen der Aufſtändiſchen, die vielleicht kaum tauſend Mann betrugen, ſa⸗ hen, daß ſie gegen dieſe Uebermacht, der wahr⸗ ſcheinlich noch die Infanterie und Aritillerie folgte, nichts ausrichten konnten. Dennoch ſtell⸗ ten ſie ſich in Schlachtordnung auf und ſchickten eine Salve nach den Feinden hinüber, um dieſen zu zeigen, daß ſie gerüſtet ſeien. Einzelne Trup penmaſſen zogen vom Schloſſe heran.

Fort! Fort, Matthias! rief Iwan. Hier hilft kein Zaudern, kein Widerſtand! Wir ſind allein. Wir müſſen das Schloß, oder die Re⸗ gimenter erreichen. Sonſt ſind wir verloren!

Matthias hatte Sophie in ſeine Arme ge⸗ nommen, gleichſam um ſie zu ſchützen. Iwan ergriff ſeinen linken Arm und zog den Freund mit ſich fort. Sie eilten nach der Mauer des Parkes, die am nächſten war, und in deren Nähe die geordneten Truppen ſtanden. Einzelne zerſtreute Soldaten ſchloſſen ſich an ſie an.

Aber ſchon brauſten die feindlichen Reiter hinter ihnen.

Ergebt Euch! Legt die Waffen nieder, ſonſt ſeid Ihr verloren! riefen mehrere heran⸗ ſprengende Offiziere. Liefert uns Eure Anfüh⸗ rer aus, dann ſoll Euch kein Leides geſchehen! riefen Andere.

Die Soldaten antworteten ihnen mit Flin⸗ tenſchüſſen, während Jwan und Matthias mit ſeiner Geliebten noch raſcher der Mauer des Parkes zueilten.

Schon war es ſo dunkel geworden, daß we⸗ der Freund noch Feind ſich genau erkennen lie⸗ ßen. Aber plötzlich flammte eine blendende Helle empor. Ein großer Stoß Holz, der in der Nähe der Mauer des Parkes ſich befand, hatte Feuer gefaßt, vielleicht durch die bren⸗ nende Hülſe einer Patrone. Das Holz war

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trocken und loderte mit Blitzesſchnelle empor, weithin einen blendenden Glanz verbreitend.

Der Holzſtoß lag indeſſen gerade auf dem Wege, den Iwan und ſeine Begleiter zu neh⸗ men hatten, um nach der Thür des Parkes zu gelangen. Qualm und Hitze nöthigten ſie jetzt, einen Umweg zu machen. Auch war die größte Eile nothwendig, denn ſie wurden von dem em⸗ porflammenden Feuer ſo hell beleuchtet, daß ſie jeden Augenblick fürchten mußten, erkannt oder von feindlichen Kugeln getroffen zu werden.

Die Pferde der feindlichen Reiterei waren durch das plötzliche Aufblitzen der Flammen ſcheu geworden und die Kolonnen waren in Verwir rung gerathen. Die Offiziere drohten und fluch⸗ ten. Eine ſcharfe rauhe Stimme gebot plötzlich Schweigen und gab umſichtige, energiſche Be⸗ fehle.

Sophie faßte den Arm ihres Geliebten fe ſter, als ſie dieſe Stimme vernahm, ihr Schritt beſchleunigte ſich, ihre Kniee zitterten. In die ſem Augenblicke erhob ſich ein leichter Wind und trieb den Fliehenden einen Funkenregen und dichte Rauchwolken entgegen, ſo daß Sophie, auf deren Mantel einige glühende Kohlen ſie len, einen leichten Schrei ausſtieß.

Halt! oder Ihr werdet niedergeſchoſſen! rief gleich darauf eine rauhe Stimme.

Vorwärts! vorwärts! flüſterte Iwan, als Matthias unwillkürlich ſeine Schritte hemmte. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Vorwärts!

Matthias war indeſſen gezwungen, einen Augenblick ſtehen zu bleiben. Sophie, von der Anſtrengung und Furcht ermattet, ſank ihrem Geliebten kraftlos in die Arme. Iwan wen dete ſich um und blickte auf die Verfolger. Er ſah ſie mit einer Schnelligkeit nahen, die ihn erſtaunte und erſchreckte.

Nimm Sophie in die Arme und trage ſie, Matthias! rief er ſeinem Freunde zu. Eile, ſonſt ſind wir verloren! Herbei, herbei! rief er dann mit mächtiger Stimme einem Bataillon Infanterie zu, das ſich vor der anſtürmenden Reiterei zurückzog. Herbei! Eure Führer ſind in Gefahr!

Halt! donnerte im nächſten Augenblick von Neuem dieſelbe rauhe und tiefe Stimme.

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