Jahrgang 
1 (1851)
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zurück. Der Offizier fing ſie in ſeinen Armen auf. Ihre Augen ſchloſſen ſich. Die plötzliche Ueberraſchung hatte ihr das Bewußtſein ge⸗ raubt.

Schon war Matthias herbeigeeilt und hatte ſie mit ſeinen Armen feſt umſchlungen, während er ihre bleichen Lippen mit Küſſen bedeckte und ihren Namen rief. Die Offiziere und Solda⸗ ten, erſtaunt über dieſe ſeltſame Scene, waren herzugetreten und umſtanden verwundert die Gruppe.

Sophie ſchlug die Augen auf. Ihre erſte Bewegung, als ſie die vielen fremden Männer um ſich erblickte, war, ſich aus den Armen des Geliebten zu winden.

Matthias! flüſterte ſie. Biſt Du es? O, laß mich! Ich bin das Weib Kiſſelew's! Was müſſen dieſe Fremden von mir denken? Schone mich, Matthias. Ich bin kraftlos. Ich glaubte, die Ueberraſchung würde mich tödten!

Du wirſt ſtark werden in meinen Ar⸗ men! rief Matthias mit flammenden Augen und die Geliebte noch feſter umſchlingend. Ja, alle dieſe Fremden ſollen Zeugen ſein, daß ich Dich, mein rechtmäßiges Eigenthum, wiedergewonnen! Von dieſem Augenblicke an biſt Du nicht mehr das Weib Kiſſelew's! Ja, Sophie, die Zeit iſt um, in der wir vor den Böſewichtern und Räu⸗ bern uns beugen mußten. Freiheit, der Gerechtigkeit, der Rache hat ge⸗ ſchlagen! Ich laſſe Dich nicht mehr von mir, Geliebte, und käme Kiſſelew mit Hunderttau⸗ ſenden, um Dich zurückzufordern! Mein biſt Du jetzt, und ich werde Dich ſchützen als mein Weib, denn mir gehörſt Du. Tauſende ſind bereit, mich zu unterſtützen, die Freiheit und Unſchuld zu vertheidigen, die Mörder unſeres Glückes zu ſtrafen. Ich habe Dich fliehen, Dich nie wie⸗ derſehen wollen. Aber die Vorſehung führt uns zuſammen, in dieſem Augenblicke, in dem ſich ein ganzes Volk gegen ſeine Dränger erhebt. Das iſt ein Wink des Schickſals, Sophie! Wir ſollen vereint ſein. Lehne Dich nicht auf gegen dieſen Willen des Schickſals, Geliebte. Noch wenige Tage, und Rußland iſt frei. Die Vor⸗ ſehung wollte nicht, daß wir in Knechtſchaft vereinigt ſeien. Sie hat unſer Schickſal an das

Die Stunde der

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des Vaterlandes geknüpft. Auch unſer Glück

ſoll beginnen mit der erſten Stunde der Freiheit

Rußlands! Folge mir, Sophie! Stimmt ein Jubellied an, Soldaten! Euer Führer hat das Weib wiedergefunden, das ihm die Bosheit Eurer Unterdrücker entriſſen hatte. Auf! Nach

dem Lager! Alle ſollen mein Glück, meine Liebe

wiſſen!

Die Soldaten, hingeriſſen von den begeiſter⸗ ten Worten ihres Führers, begannen in der That ein brauſendes Jubel⸗ und Siegeslied. Sophie lag noch immer in Matthias' Armen. Sie wußte nicht, ob ſie Alles, was um ſie vor ging, für Traum oder Wahrheit halten ſollte. Die Ueberraſchung war ihr zu plötzlich gekom⸗ men; ſie hatte ſich noch nicht ſammeln können. Furcht und Beſtürzung blickten aus ihren Zü⸗ gen, und doch zuweilen wieder, wenn ſie auf den begeiſterten Matthias ſah, ſtrahlte eine himmliſche Seligkeit aus ihren Blicken. Sie wußte noch nicht, ob ſie ſich ihrem Glücke gang hingeben, an die Wahrheit deſſen, was ſie hörte, glauben durfte. Stumm ruhte ſie in den Ar men des Geliebten, während der Geſang der Soldaten ſie umbrauſte, und während Matthias ihr Worte des Glückes, des Troſtes und der Hoffnung zuflüſterte.

Während dieſer Zeit ging die Sonne unter. Aus dem Lager kamen Soldaten, theils in Kom⸗ pagnieen, theils in einzelnen Gruppen herbei⸗ geeilt. Man hatte das Gewehrfeuer vernom⸗ men und wollte dem Piquet zu Hülfe eilen. Von Mund zu Mund flog jetzt die frohe Kunde, daß der Kampf ſchon ſiegreich beendet ſei, daß der verehrte Oberſt Murajew ſeine Geliebte ge⸗ funden habe, und daß dieſe Niemand anders ſei, als die Gemahlin des verhaßten Generals Kiſſelew..

Alle zuſammen traten jetzt den Rückweg an. Sophie wagte noch immer nicht zu ſprechen. Matthias führte ſie. Ihr zur Seite ging Iwan, den ſie wiedererkannt hatte.

O Matthias, flüſterte ſie ihrem Gelieb⸗ ten zu, wenn es möglich wäre, wenn ich an mein Glück glauben dürfte! Ich habe lange, lange Jahre ſchrecklicher Leiden an der Seite des Mannes, denn ich nicht lieben konnte, zu⸗

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